Minderjährige reisen ohne Kontrolle in Türkei

Eine TV-Reportage des französischsprachigen Senders RTBF hat gezeigt, dass Minderjährige ohne Probleme von Belgien aus in die Türkei reisen können - ohne kontrolliert zu werden und das an einem gewöhnlichen Schultag. Sie hätten von dort wohl ohne weiteres nach Syrien weiterfliegen können, suggeriert der Bericht noch. Belgiens Innenministerin Joëlle Milquet drängt in einer Reaktion auf die Reportage auf schärfere Kontrollen am Flughafen und auf die Durchführung von Maßnahmen gegen das Aufbrechen junger Belgier nach Syrien.

Mit der RTBF-Reportage wird gezeigt, dass von zusätzlichen Kontrollen am Fughafen derzeit wohl noch keine Rede sein kann.

Zwei belgische Jugendliche im Alter von 14 und 16 Jahren haben es geschafft, am Flughafen von Zaventem ohne Begleitung ein Flugzeug nach Istanbul zu nehmen. Zu keinem Zeitpunkt, weder vom Flughafenpersonal, noch von den Sicherheitsdiensten, wurden Fragen zum Anlass oder über das Wie der Reise gestellt.

Vergangenen Freitag hatte die Innenministerin, nachdem in Belgien bekannt geworden war, dass junge Belgier nach Syrien in den Kampf ziehen, ihren Kollegen einen Plan gegen Radikalisierung vorgelegt. Die Regierung urteilte jedoch, dass keine weiteren Gesetze nötig seien. Schon jetzt sei das Anwerben von Jugendlichen für terroristische Gruppierungen, die in den Kampf ziehen, strafbar, hieß es.

Eine Arbeitsgruppe sollte sich statt dessen über strengere Kontrollen am Flughafen und eine bessere Zusammenarbeit mit der Türkei kümmern. Das ist jedenfalls das Transitland, über das viele Jugendliche nach Syrien reisen. Auch soll ein permanentes Präventionsforum gegen Radikalisierung eingerichtet werden.

Als Reaktion auf die RTBF-Reportage fordert Milquet nun, dass man weiter gehe. Verschiedene befugte Abteilungen sollen mit "Nachdruck" über die Durchführung von Maßnahmen gegen den Aufbruch junger Belgier nach Syrien wachen. "Die Fluggesellschaften müssen die Kontrollen bei Minderjährigen verschärfen."

Die belgische Polizei sagte noch am Montagabend, dass sie über unzureichende Hinweise verfüge, um festzustellen, ob ihr Personal Fehler gemacht habe. Man werde aber die Vorschriften der Innenministerin gegebenenfalls beim zuständigen Personal in Erinnerung rufen, so ein Sprecher.