Timing der Ford-Sparpläne für Genk fatal

Das Ford-Werk im limburgischen Genk, das Ende 2014 geschlossen wird, hatte das Pech, zum Zeitpunkt des Entschlusses zu drastischen Sparmaßnahmen von Seiten des Konzerns noch keine neuen Modelle zu bauen. Dies teilte die Direktion des Standorts Genk den Gewerkschaften während einer außerordentlichen Betriebsratssitzung in dieser Woche mit. Die Gewerkschaften hoffen jetzt, dass der belgische Staat Steuernachlässe auf die Entlassungsprämien der Ford-Mitarbeiter gewährt.

Der Ford-Konzern im US-Mutterhaus musste in den vergangenen Jahren feststellen, dass der Automarkt in Europa völlig zusammenbrach und entwarf einen Sparplan, um dem entgegenzuwirken.

Ford Europa machte sich 2012 dazu auf, nachzuschauen, an welchem Standort noch mit keiner Produktion von neuen Modellen begonnen worden war.

Zwar hatte man dem Personal des belgischen Standortes in Genk bereits die Montage von drei neuen Modellen zugesagt, doch zum Zeitpunkt der Sparauflagen waren noch keine dem entsprechende Investitionen getätigt worden, wie die Genker Direktion diese Woche angab.

Dem Entschluss, Genk zu schließen, lagen auf keinen Fall Probleme mit der Mentalität der Arbeitnehmer zugrunde, hieß es dazu weiter. Auch die Höhe der Lohn- bzw. der Produktionskosten am belgischen Standort hätten damit nichts zu tun gehabt.

Abschluss-Meeting am Montag

Am kommenden Montag wird anlässlich eines letzten Meetings des Betriebsrates mit der Direktion von Ford in Genk näher auf die Abschlüsse bezüglich der Sozialpläne für Arbeiter und Angestellte eingegangen. Bis zum Freitag hatten die Angestellten des zu schließenden Werks noch die Zeit, in einer Urabstimmung über den Sozialplan zu entscheiden. Die Unterzeichnung des Tarif- und Sozialplans für den Standort wird Mitte Mai erwartet.

Steuerermäßigung auf Entlassungsprämien?

Die Gewerkschaften bei Ford in Genk haben die belgische Bundesregierung darum gebeten, auf drastisch hohe Besteuerungen der Entlassungsprämien, wenn das Werk Ende 2014 geschlossen wird, zu verzichten.

In einem Gespräch mit Bundesfinanzminister Koen Geens (CD&V) baten sie um entsprechende Nachlässe auf Entlassungs-, Betriebszugehörigkeits- und andere Prämien.

Nach Ansicht der Gewerkschaften bleibe "netto von den Prämien nicht mehr viel übrig." Die Bitte um ein "Gunstverfahren" soll aber nicht nur für die Ford-Beschäftigten gelten, sondern auch für deren Kollegen der ebenfalls vor der Schließung stehenden Zulieferfirmen. Finanzminister Geens versprach, die Angelegenheit zu prüfen, wollte jedoch entsprechenden Hoffnungen keine Nahrung bieten.