Kindesmissbrauch in katholischen Einrichtungen

Im belgischen Bundesland Flandern ist die Debatte um sexuellen Missbrauch und Gewalt in katholischen Bindungseinrichtungen, Internaten und Kinderheimen wieder aufgeflammt. Auslöser war die Geschichte einer heute 52jährigen Frau, die die Tageszeitung De Standaard am Wochenende veröffentlichte.

Der Titel der Geschichte, „Der erste Peitschenhieb veränderte mein Leben“, ging vielen in Flandern unter die Haut. Die Geschichte der Frau, die jahrelang in katholischen Heimen in Flandern leben musste, und die massive Gewalt von Seiten von Nonnen und Geistlichen über sich ergehen lassen musste, ruft nach Aufklärung.

In solchen katholischen Einrichtungen waren Gewalt an Kindern und Jugendlichen und sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen auch in Flandern in den 1950er bis 1980er Jahren eher die Regel als die Ausnahme. Jetzt bildet sich eine breite Front, die fordert, die Geschehnisse aufzuarbeiten.

Die Leitung des katholischen Bildungswesen in Flandern signalisierte inzwischen die Mitarbeit an einer solchen Aufarbeitung.

Das Ganze soll auf wissenschaftlicher Ebene ablaufen. Die Tatsache, dass die traumatischen Ereignisse schon mehr als 30 Jahre zurückliegen, macht eine solche Aufarbeitung und das Reden darüber wohl einfacher – sowohl von Seiten der Täter, als auch auf Ebene der Opfer. Der flämische Kinderpsychiater Peter Adriaenssens forderte bereits am Sonntag, die Vorfälle umfassend zu untersuchen und stieß dabei sofort auf die Zustimmung von Landessozial- und Wohlfahrtsminister Jo Vandeurzen von den flämischen Christdemokraten CD&V)

Mieke Van Hecke (kleines Foto), die Leiterin des katholischen Bildungswesens in Flandern, gab verschiedenen flämischen Medien gegenüber zu verstehen, dass eine entsprechende wissenschaftliche Studie den Opfern bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse helfen könne. Im Zuge dessen würde dies auch die deutliche Botschaft vermitteln, dass Übergriffe jedweder Art gegenüber Schutzbefohlenen in katholischen (und anderen) Bildungseinrichtungen und Heimen in Zukunft vermieden würden.