"Die Regierung soll selbst Cannabis anpflanzen"

Der Löwener Toxikologe Jan Tytgat (Foto) plädiert dafür, dass die belgische Regierung selbst die weiche Droge Cannabis anpflanzen und verkaufen soll. Dies soll laut Tytgat dabei helfen, die Welle der illegalen Plantagen im Land einzudämmen und könnte eine Garantie für die Qualität des Rauschmittels geben. Belgiens Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx (PS) ist einer solchen Idee offenbar nicht abgeneigt.

Regelmäßig muss Jan Tytgat Proben von Cannabis oder Cannabispflanzen im Auftrag der belgischen Polizei auf ihren toxischen Gehalt untersuchen. Die Zahl der ausgehobenen Plantagen in Belgien ist groß und Tytgat stellt öffentlich die Frage, ob die repressive Handhabe der Drogenpolitik nicht vielleicht kontraproduktiv ist, weil sie fahndungstechnisch eher wenig einbringe. Seit im Nachbarland Niederlande strenger gegen weiche Drogen vorgegangen wird, weichen viele Produzenten nach Belgien aus.

„In dieser Hinsicht kann man einige auch wissenschaftliche Argumente anbringen, um an ein Pilotprojekt für die Legalisierung von Cannabis zu denken. Dies allerdings unter sehr strikten Bedingungen“, so Tytgat dazu. Das heißt, dass nicht jeder so einfach Cannabis anpflanzen, ernten und verkaufen soll. Vielmehr soll die Bundesregierung selbst ein legales System auf die Beine stellen:

„Vorteile eines solchen Systems sind die Tatsache, dass die Konzentration des aktiven Bestandteils der Droge, das THC, erkennbar ist, dass keine giftigen Pflanzenschutzmittel oder anderes Zeug in der Pflanze sind und dass die Nutzer vollkommen legal an ihre nötige Menge Cannabis kommen können. Nicht zuletzt könnte die Regierung daran auch Verbrauchersteuern verdienen.“

BELGA/DESPLENTER

Nicht völlig ausgeschlossen

Alles, was außerhalb dieses legalen Systems geschehe, so Tytgat, müsse strafrechtlich verfolgt werden. Belgiens Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx (PS - Foto) schließt ein solches Pilotprojekt nicht gänzlich aus.

Sie gab zu, dass die Cannabis-Politik in Belgien versagt habe und dass auf jeden Fall über Alternativen nachgedacht werden müsse: „Wir müssen darüber gemeinsam mit Fachleuten nachdenken. Wir stellen ein Misslingen unserer Politik fest und das hat gefährliche Auswirkungen.“