Kapitalflucht: 45 Mia. € in nur drei Monaten

Nach einer Studie der OCED lassen große multinationale Gruppen Belgien auf finanzieller Ebene links liegen. Viele von ihnen ziehen mit ihren internen Banken und Finanzzentren weg aus Brüssel und lassen sich in Luxemburg nieder. Alleine im letzten Quartal 2012 ist Kapital in Höhe von rund 45 Mia. € aus Belgien abgezogen worden.

Multinationals wie der Stahlriese Arcelor Mittal oder der niederländische Elektronikkonzern Philips haben Brüssel mit ihren Finanzzentren und internen Banken längst in Richtung Luxemburg oder anderswo verlassen. Manche haben es ihnen vorgemacht und andere werden wohl noch folgen. Das ausgerechnet Arcelor Mittal nach angekündigten Werksschließungen in Lüttich auch Kapital aus Belgien abzieht, erbost viele Beobachter, zumal der Stahlkonzern maximal von Steuervergünstigen und Zuschüssen in unserem Land profitieren konnte.

Nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist diese Kapitalflucht derzeit recht drastisch. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres stieg die Summe des aus unserem Land abgezogenen Kapitals dramatisch gegenüber dem Rest des Jahres. Rund 45 Mia. € verließen Belgien in erster Linie in Richtung Luxemburg.

Der Grund dafür ist offensichtlich die Änderung der Gesetze zu den günstigen so genannten fiktiven Zinsen auf das eigene Risikokapital, die von der in Belgien zu zahlenden Steuer abgezogen werden kann, durch die Regierung Di Rupo I. Ende 2011 senkte die Regierung die steuerlich geltend zu machenden Zinsen von 3 % auf unter 2,7 %. Nach Ansicht der OECD war dies das Signal für die Multinationals, ihr Kapital ganz oder teilweise aus Belgien abzuziehen.

Herwig Joosten, Fachmann für internationales Steuerrecht bei Ernest & Young, sagte dazu gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen, dass Kapital wie Wasser sei. Es fließe immer zur am wenigsten belasteten Ebene. Die OECD bewertete die Kapitalströme von insgesamt 34 Ländern. Dabei erwies sich, dass Belgien in diesem Bereich das am wenigsten interessante Land ist.