Die Bewohner von Wetteren dürfen langsam nach Hause

Die rund 500 in der Nacht zum Freitag nach dem Zugunglück in Wetteren evakuierten Anwohner dürfen am Montag wahrscheinlich wieder nach Hause zurückkehren. Die Schulen in der Stadt bleiben aber weiter geschlossen. Es wird wohl noch mehrere Tage lang dauern, bis der Bahnverkehr wieder freigegeben werden kann.

In der Nacht zum Samstag waren in Wetteren in der Provinz Ostflandern sechs Waggons eines mit der Chemikalie Acrylnitril - ein hochgiftiges Produkt - beladenen Güterzugs entgleist, von denen drei Feuer fingen. Über das Lösch- und Kühlwasser der Feuerwehr, die die Tankwaggons kontrolliert ausbrennen lassen musste, um noch mehr Umweltschäden zu verhindern, gelang eine giftige Mischung in das Abwasser.

Rund 500 Menschen mussten evakuiert werden und knapp 50 Personen mussten mit Atemwegsproblemen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Ein 64 Jahre alter Mann und sein Hund kamen ums Leben, wohl weil sich giftige Dämpfe über ein defektes Toilettensystem im Wohnhaus verbreiten konnten.

Jetzt können die betroffenen Anwohner schrittweise wieder nach Hause gehen, allerdings werden ihre Häuser und Wohnungen vorerst mit Messgeräten auf chemische Rückstände in der Atemluft kontrolliert. Weiterhin bleibt es verboten, Produkte aus dem eigenen Garten zu essen, zu Angeln und sich entlang der Schelde und einiger Nebenarme aufzuhalten.

Bergungsarbeiten

Möglicherweise dauern die Bergungsarbeiten noch rund eine Woche. Aufgrund der möglichen Verunreinigung ist die Rede davon, das Gelände unmittelbar an er Unfallstelle einer Bodensanierung zu unterziehen. Nach der Ursache für diese Katastrophe wird noch gesucht. Die Ermittler untersuchen jetzt die Blackbox der Lokomotive. Doch auch ein elektronisches Stellwerk und eine Weiche, die der Zug kurz vor der Entgleisung zum Ausweichen einer Gleisbaustelle überfahren, könnten Fehlerquellen darstellen.

Der Unfall löste Diskussionen über die Sicherheit im Güterbahnverkehr, sprich über den Schienentransport von Chemikalien und anderen giftigen und umweltschädlichen Produkten. Die Frage lautet u.a., warum Züge mit Gefahrguttransporten durch Wohngebiete fahren müssen. Doch in einem so dicht besiedelten Gebiet, wie dem belgischen Bundesland Flandern, sind andere Lösungen, wie z.B. Neubaustrecken, kaum möglich.