6 Wochen zwischen Außenpolitik, EU und belgischen Fritten

In einer renommierten deutschen Zeitung heißt es, Brüssel sei die Hauptstadt der Praktikanten – ich habe nicht besonders lange gebraucht, um zu merken, dass an der Behauptung viel Wahres ist. Von Anfang März bis Mitte April war ich für sechs Wochen eine von ihnen. Und spätestens seit ich wieder pünktlich zu Beginn des Sommersemesters nach Trier (Deutschland) zurückgekehrt bin, kann ich sagen, dass ich diese Stadt ins Herz geschlossen habe.

Fangen wir ganz am Anfang an: Wie (fast) alle Politikwissenschaftsstudenten in Deutschland muss auch ich im Rahmen meines Bachelorstudiums ein Pflichtpraktikum absolvieren. Der schwerste Teil davon ist die Phase, in der man nach geeigneten Praktikumsplätzen sucht, die nicht nur interessant, sondern auch zu haben und wenn möglich auch noch außergewöhnlich sind - denn die Auswahl ist im Bereich der Politik so groß, dass man kaum weiß, wohin man schauen soll.

Sobald das Praktikum begonnen hat, steht man aber in dem Teil des Studiums der, ich würde fast sagen den spannendsten Teil des Studiums mit sich bringt – die Praxiserfahrung und Konfrontation mit den Herausforderungen der Tagespolitik.

Meine Wahl fiel auf die European Foundation for Democracy, einen kleinen Think Tank, der sich mit verschiedensten Demokratiethemen, die in der Europäischen Union bewegen, auseinandersetzt – angefangen mit Radikalisierung in europäischen Ländern, über die Sanktionspolitik der EU bezüglich des Iran bis hin zu den Bürgerkriegen in Syrien oder Mali. Man macht sich immer über die Praktikanten, die den ganzen Tag Kaffee kochen und kopieren, lustig – mein Alltag sah ganz anders aus.

Von einem internen Newsletter, den ich jeden Morgen an die Mitglieder der Organisation schickte, über inhaltliche Recherche und das Verfassen von Unterlagen für Konferenzen bis hin zur Eventplanung, zu der ich quer durch die Brüsseler Diplomatie telefonierte, wurden mir Arbeitsschritte übertragen, die meistens sehr spannend für mich waren und an denen ich meistens ziemlich selbstständig arbeiten durfte.

Wenn ich jetzt an die Zeit vor dem Praktikum zurückdenke, wird mir klar, dass ich mir Sorgen gemacht habe, mit noch einfacheren Aufgaben nicht zurechtzukommen. Aber mit seinen Aufgaben wächst man bekanntlich – und meine Kollegen waren, wie sie mir sagten, sehr zufrieden.

"Clubs und Bars, jeder nach seinem Geschmack"

Wie jeder Praktikant habe ich nicht nur gearbeitet, sondern auch die Abende und Wochenenden gut genutzt, um so viel wie möglich von Stadtleben und Umgebung zu sehen. Über den Stammtisch der deutschen Praktikanten konnte ich eine Menge anderer Studenten kennenlernen, die ihre Semesterferien oder gleich ein Gap Year in Brüssel verbrachten. Sogar Erasmusstudenten kamen vorbei.

Eine weitere feste Institution ist das „Afterwork“, zu dem man sich Donnerstag Abends am Place Lux, direkt neben dem Europäischen Parlament, trifft. Eine Bar reiht sich dort an die nächste und hunderte Praktikanten stehen je nach Wetter bis weit draußen auf dem Platz. Auch über das Nachtleben an den Wochenenden kann man sich nicht beschweren – die Stadt ist sehr lebendig und hat einige Viertel, in denen jeder Clubs und Bars nach seinem Geschmack findet.

An den Wochenenden hatte ich häufig Besuch von Freunden oder von meiner Familie, mit denen ich die Stadt, ihre Sehenswürdigkeiten und Spezialitäten entdecken konnte. Auch die umliegenden Städte sind ein Muss für jeden, der längere Zeit in Brüssel verbringt - Gent beispielsweise ist eine wunderschöne kleine Stadt, deren Charme kaum zu übertreffen ist. Antwerpen wiederum ist viel größer, hat aber viele wunderschöne Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Mein Glück war, dass ich einerseits den spannenden Arbeitsalltag in einem internationalen Büro erleben durfte, andererseits aber auch genügend Zeit hatte, um die Stadt zu entdecken und Freizeit mit anderen Praktikanten zu genießen.

Am Ende fand ich es unglaublich schade, nur für sechs Wochen in Brüssel verbracht zu haben – eine viel zu kurze Zeit um intensiv in das Praktikum eingearbeitet zu werden und um alles zu sehen, was Belgien zu bieten hat. Und ich bin mir sicher, dass ich – wie viele andere Praktikanten – nach Brüssel zurückkommen werde.

AP2012