Das Drama in Wetteren findet kein Ende

Nach Messungen in den Abwasserkanälen wurden in einem Straßenzug in der Nähe der Stelle, an der am Wochenende ein Zug mit Tankwaggons entgleiste und Feuer fing, bereits heimgekehrte Anwohner erneut evakuiert. Ostflanderns Provinzgouverneur Jan Briers musste den Betroffenen erklären, dass diese für die Dauer von mindestens zwei Wochen nicht nach Hause zurückkehren dürfen.

Die Messungen der Giftbelastung durch hohe Konzentrationen von Arcylnitril ergaben, dass die Werte in einem Umkreis von 250 m um die Unfallstelle herum das sechs- bis achtfache der tödlichen Dosis betragen. Rund 100 Personen sind betroffen. 47 von ihnen werden wohl mindestens zwei Wochen lang ihre Häuser und Wohnungen nicht mehr betreten können.

Völlig unklar ist, wie die Giftkonzentrationen nach dem Zugunfall mit Chemietankwaggons in einer so hohen Dosis in die Kanäle gelangen konnte. Unklar ist aber auch, wie viel kontaminiertes Löschwasser in das Kanalsystem, in die nahegelegene Schelde und ins die Unfallstelle umgebende Erdreich geflossen ist. Inzwischen ist von Bodensanierungen die Rede und der Zugverkehr auf der Strecke durch Wetteren wird wohl mehrere Wochen lang unterbrochen bleiben.

Das Rote Kreuz richtete inzwischen in einer Schule in Wetteren ein Auffanglager für jene betroffenen Anwohner ein, die nicht kurzfristig eine Möglichkeit finden, bei Verwandten oder Bekannten unter zu kommen. Die Angehörigen des durch Giftgase in seiner Wohnung umgekommenen 64jährigen aus Wetteren haben inzwischen Klage eingereicht. Sie wollen den Urheber der Katastrophe und die Verantwortlichen für die Fehler bei der Rettungsaktion vor Gericht ziehen.

Parlamentarischer Sonderausschuss

In Brüssel beugt sich in diesen Tagen ein parlamentarischer Sonderausschuss über die Ursache und die Folgen der Katastrophe. Die Abgeordneten wollen wissen, wie es zu dem Unfall kommen konnte, was beim Rettungseinsatz falsch gelaufen ist und wo die Kommunikationspannen liegen, die nicht wenige der Betroffenen auf die Palme bringen.

Dabei geht es um Fragen, wie gefährlich die unmittelbaren Folgen des Unfalls waren - Schadstoffe durch den Brand, die entstandene Rauchsäule, die Gefahr der Chemikalien an sich, das Lösch- und Kühlwasser im Kampf gegen die Flammen und bei „kontrollierten“ ausbrennen lassen der Waggons.