Das öffentliche Leben ruht in Wetteren

Die ostflämische Stadt scheint nach dem verheerenden Zugunglück vom Wochenende, als ein Güterzug mit Chemietankwaggons entgleiste und Feuer fing, wie gelähmt. Schulen und Kindergärten bleiben geschlossen, dutzende Bewohner bleiben bis auf weiteres evakuiert - kurz, das öffentliche Leben ruht.

Das öffentliche Leben in Wetteren mag nach der Chemiekatastrophe ruhen. In ihrem Inneren finden die betroffenen Bewohner der 24.000-Seelen-Stadt allerdings keine Ruhe. Schon die heftigen Regenfälle in den Abendstunden am Dienstag sorgten für ein Aufhorchen. Wohin strömt das Regenwasser? Führt es weitere giftigen Abwässer zutage? Kommt es wieder zu Evakuierungen? Glücklicherweise kam es durch den Regen nicht zu neuen Problemen.

Feuerwehr und Zivilschutz (vergleichbar mit dem deutschen THW) führen weiter Messungen durch. In der Nacht zum Mittwoch wurden keine erhöhten Giftwerte festgestellt. Doch die Leute in Wetteren fragen sich, was sie bisher eingeatmet haben. Viele leisten der Empfehlung, beim Arzt oder im Krankenhaus eine Blutanalyse durchführen zu lassen, Folge.

Derweil bleiben Schulen und Kindergärten präventiv geschlossen, die Post wird vorläufig nicht verteilt, der Müll wird noch nicht abgeholt und alle Veranstaltungen sind bis auf weiteres abgesagt. Am kommenden Wochenende wollten viele Familien in Wetteren wohl auch die Heilige Kommunion von Kindern feiern. Daraus wird wohl nicht überall etwas, es sei denn, die geplanten Feiern können bei der Verwandtschaft oder in Lokalen außerhalb der Stadt stattfinden.

Lebensmittelkontrolle

Nicht nur Feuerwehr und Zivilschutz führen Messungen in Wetteren durch, sondern auch die belgische Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit. Die Agentur führt Bodenmessungen in einem Perimeter von 500 bis 1.000 m um den Unfallort durch. Dabei wird sowohl der Boden auf Kontaminierung untersucht, als auch das, was darauf wächst: Gras, Mais, Früchte und Gemüse und sogar die Milch der Kühe, die auf den umliegenden Wiesen grasen.

Schon jetzt raten die Behörden und das Krisenzentrum den Bewohnern, nichts, was im eigenen Garten angebaut wurde, zu verzehren. Auch unverpackte Lebensmittel in den Wohnungen sollten in den Abfall geworfen werden, denn die giftigen Gase nach dem Unfall könnten diese verunreinigt haben.