Die Killer von Brabant und der Polizeikrieg

Der Krieg zwischen den früheren Ermittlern aus Dendermonde , die auf die Killerbande von Brabant an gesetzt wurden, und deren Nachfolger von der Staatsanwaltschaft in Charleroi eskaliert. Der ehemalige Ermittler der Soko Delta, Eddy Vos, ist mit dem Tode bedroht worden. Er erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Seit Ende der 1980er Jahre versuchen Polizei und Justiz vergeblich herauszufinden, wer für die sinnlosen und mörderischen Überfälle zwischen 1983 und 1985 in Brabant verantwortlich war. Bei bewaffneten Überfällen u.a. auf Supermärkte in Aalst und Overijse kamen 28 zumeist Unbeteiligte durch Schüsse ums Leben.

Die Killer von Brabant, anderenorts auch die Bande von Nijvel genannt, wurden zunächst an die Gangsterbande um den einschlägig bekannten Schwerverbrecher Philip De Staerke gelinkt, doch diese Spur verlief im Laufe der Zeit, mangels an Beweisen, ins Nichts.

Nach 10 Jahren fruchtlosen Ermittlungen wurde der Kripobeamte Eddy Vos mit der Leitung der Sonderkommission Delta in Dendermonde beauftragt. Doch auch er kam kaum zu nennenswerten Ergebnissen, denn inzwischen war zwischen den zuständigen Sokos in Charleroi, wo mittlerweile die Leitung hin verlegt wurde, und denen von Dendermonde ein so genannter „Krieg der Bullen“ ausgebrochen. Charleroi wirft Dendermonde u.a. vor, falsche Fährten durch fingierte Ermittlungsergebnisse gelegt zu haben.

Jetzt kommt dieser „Bullenkrieg“ offenbar in eine neue Phase. Nach dem unlängst bekannt wurde, dass die Ermittler von Charleroi gegen ihre Vorgänger polizeilich und juristisch vorgehen – ein pensionierter Kripomann war letztes Jahr in Handschellen zum Verhör gerufen worden – hagelt es Klagen. Der letztes Jahr verhörte Polizist a.D. reichte Klage wegen Unverhältnismäßigkeit des Umgehens mit ihm ein und der ehemalige Soko-Leiter Eddy Vos erhielt vor zwei Monaten Todesdrohungen. Er erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Inzwischen sorgen die Reibereien zwischen den einzelnen Polizisten und Staatsanwaltschaften auch für Bewegung in Kreisen der Kriminellen. Kann das die Ursache für die Todesdrohungen gegen Eddy Vos sein?

Weiße Ritter?

Die Soko in Charleroi, die Mannschaft wird die „Weißen Ritter“ genannt, rollt den Fall der Killer von Brabant offenbar völlig neu auf. Die Zeit drängt, denn im November 2014 verjähren die Vorgänge. Nach Angaben von Sven Mary, dem Anwalt von Eddy Vos (Foto), verhören die Polizisten alle Beteiligten von damals erneut, auch die Informanten von früher.

Gerüchten zur Folge, so Mary gegenüber verschiedenen flämischen Medien, haben diese sich dabei nicht gerade lobend über die damalige Soko Delta ausgelassen. Das soll auch der Ursprung für die Morddrohungen gegen seinen Klienten, Eddy Vos sein: „Wenn man Leuten aus kriminellen Kreisen das eine oder andere sagt, dann können diese durchaus negativ darauf reagieren.“

Die belgische Bundespolizei nimmt die Todesdrohungen gegen Eddy Vos, der immer noch Polizist ist, sehr ernst; Angeblich wurde ihm erlaubt, immer und überall seine Waffe tragen zu dürfen, was auch in Belgien ein sehr außergewöhnlicher Vorgang ist.