Falschmeldung! Zulte Waregem nicht nach Antwerpen

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Offenbar verhandelte Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever (N-VA) mit dem Manager des belgischen Vizemeisters Zulte Waregem, Patrick Decuyper, über einen Umzug des ost- und westflämischen Fusionsclubs in die Scheldestadt. Nach dem Konkurs von Beerschot AC hat Antwerpen keinen Erstligaverein mehr und damit hat die Politik ein Problem. Doch die Meldung einer belgischen Sportzeitschrift erwies sich als falsch.

Angeblich verhandelte Zulte Waregem-CEO Patrick Decuyper (kleines Foto - Mitte), der nota bene 85 % der Anteile an seinem Verein sein Eigen nennt, seit Wochen mit Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever (N-VA), der nota bene nach eigenen Aussagen keine Ahnung von Fußball hat, über den Umzug des Clubs in die Scheldemetropole. Diese Meldung setzte das Sport/Fußballmagazin am Dienstagabend in die Welt.

Nach der sportlichen Misere von Antwerp FC und dem sportlichen und finanziellen Debakel bei Beerschot AC (der Verein hat durch den Konkurs am Dienstag sogar seine Stammnummer verloren) verfügt Flanderns größte Stadt über keinen Erstligaclub mehr und das wurmt die Politik.

Seit Tagen brodelte die Gerüchteküche. So waren unter anderem die Vereine aus Ostende, Lokeren und Westerlo im Gespräch, ihre Spiele in Antwerpen zu absolvieren. Von Zulte Waregem, immerhin aktueller belgischer Vizemeister und damit für die Vorrunden zur Champions League qualifiziert, war bisher nie die Rede - bis zum Dienstagabend.

Doch was auf Ebene des Zulte-Managers und der Stadtratsmehrheit von Antwerpen angeblich ernsthaft diskutiert wurde, hat gleich mehrere Haken. Auch wenn das Ganze sport- und formaljuristisch völlig legal sein mag, haben die Gesprächspartner wichtige Komponenten vergessen: Die Fans! Gleich nach Bekanntwerden des Vorgangs brach bei den Fanclubs von Zulte Waregem die Hölle los. Niemals werde man zu den Heimspielen nach Antwerpen fahren, ist der allgemeine Tenor. Und weder die Beerschot-, noch die Antwerp-Fans haben Lust darauf, für eine Mannschaft ins Kiel-Stadion zu gehen, die nicht die ihre ist.

Und nicht nur die Fans sind auf allen Ebenen sind sauer. Auch Zulte-Erfolgstrainer Francky Dury wurde von der Nachricht überrollt. Er sagte dazu, dass er ob des 2. Tabellenplatzes in der Jupiler-Liga nicht so freudvoll getanzt hätte, wenn er gewusst habe, was da auf ihn und seinen Verein zukomme.

So richtig sauer ist auch Waregems Bürgermeister Kurt Vanryckegegem (CD&V). Er ging davon aus, dass Club-Manager Decuyper mit Antwerpen lediglich verhandele, um die Champions League-Spiele im Kiel absolvieren zu können. Am Mittwochmorgen sprach er im VRT-Frühstücksradio von einem Messer, das seiner Stadt in den Rücken gerammt werde und warf den Beteiligten ein Judas-Verhalten vor.

Emotion und Tradition

Und genau das ist es, was die Gesprächspartner im „Schoon Verdiep“, dem Antwerpener Stadtratssaal vergessen haben, nämlich das Fußball in erster Linie Tradition und Emotion ist. Wirtschaftliche Aspekte sind da zumeist zweitrangig und wenn sich die Politik in den Sport einmischt, dann machen Fußballfans nicht mit, zumindest nicht im fußballerisch altbackenen Belgien…

"Zulte zieht nicht nach Antwerpen um!"

Am Mittwoch beeilten sich Zulte-CEO Decuyper und Antwerpens Bürgermeister De Wever zu sagen, dass Zulte nicht in die Scheldemetropole umziehen werde. Bei den Gesprâchen sei es lediglich darum gegangen, wie man einen neuen und starken Fußballverein für Antwerpen gründen könnte. Daran waren auch schon Antwerpener Geschäftsleute interessiert. Für ein solches Unterfangen braucht man aber Geld...

In Waregem, wo der Fusionsclub Zulte Waregem spielt, stand man auch politisch unter Druck. Auf jeden Fall will man den Verein im dortigen Regenbogen-Stadion behalten. Waregems Bürgermeister will jetzt auch kommunales Geld ins Stadion investieren lassen.