Bombenfriedhof vor Küste von Knokke

Vor der Küste von Knokke und in der Oosterschelde ruhen zwei riesige Munitions-Schrottplätze. Das schreibt das Wissenschaftsmagazin Eos. Die Munition wurde nach den beiden Weltkriegen hier abgeladen und birgt jede Menge Giftgas, TNT und weißen Phosphor. Eos zufolge seien die Lagerplätze eine "tickende Zeitbombe".
AP2007

Der Bombenfriedhof vor der Küste von Knokke-Heist liegt in der Nähe der Sandbank Pferdemarkt. Er ist rund 3 km² groß, und dort lagern etwa 35.000 Tonnen Munition. Ein Drittel des Schutts sind Giftgasgranaten und die seien laut Eos besonders gefährlich.

"Der Pferdemarkt liegt nicht weit von einem der geschäftigsten Häfen Westeuropas (der Hafen von Zeebrügge, Red.!) und nur einen Steinwurf von den wichtigsten Schiffsrouten, Pipelines und Gasterminals entfernt", heißt es in dem Magazin. "Die Folgen eines Zusammenstoßes eines Schiffsbuges mit Kisten voll giftiger Munition wären für die Meeresfauna und -flora verheerend. Der Müllplatz ist eine tickende Zeitbombe."

Der andere Lagerplatz befindet sich in der Öffnung von Zierikzee in der Oosterschelde. Dort ruhen schätzungsweise 30.000 Tonnen Munition aus dem 2. Weltkrieg. 9.000 Tonnen davon sollen Schießpulver und TNT sein. Letzteres ist gentoxisch. Das heißt, dass sich die DNA von Fischen, die damit in Berührung kommen, verändert. Außerdem enthält das Schießpulver auch weißen Phosphor, ein äußerst giftiges Produkt, das beim Abbau der Umwelt schadet.

"Kein einziges Produkt gelangt ins Meer"

In der Frühsendung unseres VRT-Radios beruhigte Nordsee-Minister Johan Vande Landotte jedoch die Bevölkerung. "Wir verfolgen die Situation schon seit 1995. Jedes Jahr wird eine Studie herausgebracht. Jedes Mal stellt sich heraus, dass der Platz Dank einer dicken Sandlage obendrauf stabil ist. Es gibt keine Korrosion und kein einziges Produkt gelangt ins Meer", so der Minister.

"Selbst, wenn etwas schief laufen sollte, würde die Munition liegen bleiben. "Wir haben ein Frühwarnsystem. Sobald wir einen giftigen Stoff feststellen, verkapseln wir den Lagerplatz Erst schütten wir noch mehr Sand darüber und falls nötig, können wir auch hartes Material benutzen."

Die Bomben einfach wegnehmen, sei laut Vande Lanotte keine Option. Dann erst würde das Risiko wachsen. Auf der Wasseroberfläche könne nämlich viel schief laufen. Außerdem führt Vande Lanotte an, dass so eine Operation sehr teuer sei.

Durch die Schifffahrt laufe man keine Gefahr, schließlich werde auf allen Meereskarten auf den Munitionsfriedhof hingewiesen. Das gelte im übrigen auch für Fischer. Bei den Kontrollen ergebe sich zudem, dass der Meeresboden an dieser Stelle stets unberührt sei.