Doel 3 und Tihange 2 ab 2. Juni operationell

Nach einer Meldung auf der Internetseite von GDF Suez, dem französischen Mutterkonzern des belgischen Stromproduzenten Electrabel, sind die beiden monatelang schadhaft abgestellten Kernreaktoren Doel 3 und Tihange 2 ab kommenden Sonntag, den 2. Juni, wieder operationell.

Das Hochfahren könne sich allerdings je nach Stadt der Dinge bei den Vorbereitungen zu diesem Vorgang noch verschieben, so die Meldung von GDF Suez weiter. Bei Electrabel hieß es dazu: „Das geplante Ende der Nichtverfügbarkeit von beiden Reaktoren ist in der Tat für den 2. Juni geplant. Das kann eventuell ein Tag früher oder später sein.“

Dies ist das erste Mal, dass ein konkretes Datum für das Hochfahren der beiden umstrittenen Kernreaktoren genannt wird, seit die belgische Bundesagentur für nukleare Kontrolle (FANC) vor 10 Tagen grünes Licht für einen erneuten Einsatz der Meiler gab. Doel 3 (bei Antwerpen - großes Foto) und Tihange 2 (bei Lüttich - kleines Foto) waren im vergangenen Sommer abgeschaltet worden, als tausende Haarrisse in den stählernen Ummantelungen der Meiler festgestellt worden waren.

Doel 3 hat eine Leistung von 1.006 Megawatt und Tihange 2 von 1.008 Megawatt. Beide Kernreaktoren leisten ein Drittel der Gesamtproduktion an Atomstrom in Belgien. Die insgesamt sieben Kernreaktoren (vier in Doel und drei in Tihange) von Electrabel/GDF Suez können zusammen 6.000 Megawatt Strom produzieren.

Letzte Woche meldete der belgische Energie-Regulator CREG, dass der Anteil von Atomstrom bei der Energieherstellung in unserem Land bei derzeit (2012) 54 % liegt. Im Jahr davor kam 57 % des Stroms in Belgien aus den Kernreaktoren. Der Rückgang ist auf die Abschaltung von Doel 3 und Tihange 2 zurückzuführen, so der CREG-Bericht. Importstrom und Elektrizität aus erneuerbaren Quellen haben den Wegfall von Atomstrom in Belgien problemlos auffangen können.

Deutsche Kernkraftgegner fordern definitive Abschaltung

Ein Verband von vier verschiedenen Anti-Atom-Organisationen hat Belgiens Premierminister Elio Di Rupo (PS) und Bundesinnenministerin Joëlle Milquet (CDH) einen offenen Brief geschrieben, in dem die unmittelbare und definitive Abschaltung von Doel 3 und Tihange 2 gefordert wird.

Die Verbände sind der gemeinsamen Ansicht, dass „ihr Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit durch den unvorsichtigen Entschluss, die beiden Reaktoren erneut hochzufahren, mit Füßen getreten wird.“ Im Protestbrief aus Deutschland heißt es auch, dass man nicht verstehe, warum sich die belgische Regierung nur auf den Bericht der FANC verlasse, während die Sicherheit der Reaktoren „noch nicht bewiesen ist.“

Bei einem Atomunfall in Doel oder in Tihange sei die körperliche Unversehrtheit jedes Bürgers in Belgien, Deutschland, in den Niederlanden, in Frankreich und Luxemburg in Gefahr, so das Schreiben. Belgien solle alle entsprechenden Dokumente öffentlich machen. Bereits mehrmals demonstrierten Atomkraftgegner aus Deutschland, Belgien und aus den Niederlanden in Huy, das ist die Gemeinde, in der sich die Ortschaft Tihange befindet, und in Maastricht gegen die belgischen Atomkraftwerke, die in ihren Augen eine internationale Gefahr darstellen.