Kopftuchverbot in Gent aufgehoben

"Das ist eine historische Wende für ethnisch-kulturelle Minderheiten", sagt Naima Charkaoui, Direktorin des Minderheitenforums, als Reaktion auf die Aufhebung des Kopftuchverbotes durch die Genter Mehrheit im Stadtrat.

"Unsere Unterschriftenaktion war ein Riesenerfolg", sagt sie. "Wir hatten 3.500 Stimmen angestrebt, aber in Nullkommanichts über 10.000 Stimmen zusammen. Ein Signal, dass die Stadt nicht ignorieren konnte."

Charkaoui sagt, dass Belgien ein interkultureller Platz im Herzen Europas geworden sei. "Dass die Stadt Gent jetzt positiv auf diese Diversität eingeht, ist eine Trendwende. Wir wissen, dass ethnisch-kulturelle Minderheiten diese Entscheidung als Anerkennung ihrer Religionsfreiheit begreifen. Außerdem ist jeder Mensch einzigartig. Dieser einzigartige Mensch hat in Belgien das Recht, seine Religion zu zeigen."

Das Minderheitenforum sieht in dem Entschluss des Stadtrates auch ein Signal in Richtung Moslemgemeinschaft. "Offiziell ist das ein Verbot für alle weltanschaulichen Symbole. In der Praxis fühlten sich vor allem Muslime von dem Verbot betroffen. Heute wird einer Gemeinschaft die Hand gereicht, die schon seit Jahren  Zielscheibe für alle möglichen Formen der Diskriminierung ist."

Beamte hinter dem Schalter dürfen Kopfbedeckung tragen

Beamtinnen und Beamte der Stadt Gent dürfen künftig wieder mit einem Kopftuch oder einem Käppchen hinter dem Schalter sitzen. Der Stadtrat hat das Verbot aus dem Jahr 2007 aufgehoben. Die flämischen Sozialisten SP.A und Grünen Groen, die Gent regieren, stimmten für die Abschaffung des Verbots, ihr Koalitionspartner, die flämischen Liberalen Open VLD dagegen. Auch die Oppositionspartei in Gent, die flämischen Nationlisten von der N-VA, stimmten dagegen. Diese Partei plädiert unterdessen für ein allgemeines Kopftuchverbot für Beamte.