Venedig: Berlinde De Bruyckere vertritt Belgien

Die flämische Bildhauerin Berlinde De Bruyckere repräsentiert Belgien in diesem Jahr bei der Biennale von Venedig. Ihre Skulpturen aus Holz- und Baumresten erscheinen als Knochen und Skelette. Die Künstlerin versucht mit ihrer eigenen Bildsprache Fragen der menschlichen Existenz aufzuwerfen.

Die in Gent geborene und dort lebende Bildhauerin Berlinde De Bruyckere hält den Körper in all seinen Formen für den Beweis der Existenz.

Mit ihren Arbeiten, in denen sie Holz- und Astgewirre als erstarrte menschliche Überreste daherkommen lässt, stellt die Fragen zu dieser Existenz. Kaum ein Betrachter ihrer „Kreupelhout/ Cripplewood“ genannten neuen Arbeit, die im belgischen Pavillon der Kunstbiennale von Venedig zu sehen sein wird, bleibt ungerührt. Es ist eigentlich eine sehr ästhetische Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Leiden.

Berlinde De Bruyckere, die gerade erst im Kunsthaus im österreichischen Graz ausgestellt hat, ließ sich bei Arbeiten in der jüngeren Vergangenheit von Texten des südafrikanischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers J.M. Coetzee inspirieren. Unter dem Titel „Allen vlees - Alle Fleisch“ entstand eine aufregende Synergie aus Worten und Skulpturen.

Die Verbindung De Bruyckere/Coetzee ließ „mehr davon“ verlangen und mündete tatsächlich ein eine weitere Form der Kooperation. Sie berief den Autoren zum Kurator ihrer Arbeiten für die Biennale von Venedig und goss „Kreupelhout/ Cripplewood“ in eine neue Form. Dabei passte die Tatsache, dass J.M. Coetzee (Foto) nach eigenen Angaben von zeitgenössischer Kunst keine Ahnung hat, sehr gut ins Konzept. Statements zu der Arbeit wird es von ihm nicht geben.

Er gab der Künstlerin lediglich eine unveröffentlichte Geschichte, die diese für den „Grundton“ ihrer Arbeit verwendete. Beide gaben an, dass der intensive Briefwechsel, den sie im Zuge der Arbeit führten, für weitere Inspirationen sorgte.

Fruchtbare Zusammenarbeit

Hier haben zwei völlig unterschiedliche aber durchaus komplementäre Künstler eine gemeinsame Wellenlänge gefunden. „Her sculptures explore life and death - death in life, life in death, life before life, death before death - in the most intimate and most disturbing way. They bring illumination, but the illumination is as dark as it is profound." So lautet der Inhalt einer Pressemitteilung von J.M. Coetzee zu Berlinde De Bruyckeres neue Version von „Kreupelhout/ Cripplewood“, die dieser Ende Januar veröffentlichen ließ.

Die diesjährige Biennale von Venedig beginnt am 1. Juni und dauert bis zum 24. Oktober. Berlinde De Bruyckeres Arbeit steht unter der Schirmherrschaft von Joke Schauvliege (CD&V), Flanderns Landesministerin für Kultur und entstand in Zusammenarbeit mit dem S.M.A.K., dem Museum für Aktuelle Kunst in Gent.