Belgien will keinen Fyra mehr

In Belgien wird der Fyra eingestellt. Hohe Erwartungen hatte man an den Hochgeschwindigkeitszug gestellt, vielleicht zu hohe, als der Fyra als Ersatz für den Benelux-Zug eingesetzt worden war. So traten gleich zu Anfang zahlreiche Probleme auf, zum Beispiel Außentüren, die nicht schlossen oder Metallplatten, die sich lösten. Der Fyra sollte schneller und bequemer sein, aber das Gegenteil schien der Fall.

Im Dezember 2012 wurde der Hochgeschwindigkeitszug mit Stolz präsentiert. Der Fyra fuhr schon seit 2009 in den Niederlanden und sollte auch auf der internationalen Verbindung zwischen Brüssel und Rotterdam eingesetzt werden. Die Fahrten wurden für die Fahrgäste ein bisschen teurer und es musste auch vorab reserviert werden. Anonsten sei der Zug bequemer und auf der Strecke zwischen Rotterdam und Antwerpen auch viel schneller, hieß es.

Doch schon ab dem ersten Tag der Einführung sorgten technische Probleme für Pleiten, Pech und Pannen, die bei den Medien in Belgien und in den Niederlanden wochenlang Schlagzeilen machten. Schon bald kam es zu Protesten. Der Fyra schien nicht so flexibel zu sein wie sein Vorgänger. Außerdem kam es immer wieder zu Verspätungen und teilweise fiel der Zug ganz aus.

Zunächst tat man dies als Kinderkrankheiten ab und die würden schnell vorbei gehen. Sie gingen aber nicht vorbei und die Kritik wurde statt leiser immer lauter. Der Zug sei eine Katastrophe, fanden viele Fahrgäste. 

Der italienische Bauer Ansaldo Beda versuchte, den Zug noch zu retten, aber als sich sogar ganze Teile vom Fyra lösten, reichte es der NMBS und den Fahrgästen. Der Fyra wurde vorübergehend aus dem Fahrplan gestrichen und die alten Benelux-Züge wieder zwischen der belgischen und der niederländischen Hauptstadt eingesetzt, aber ganz wollte die belgische Bahn noch nicht aufgeben. Der Zug werde irgendwann wieder fahren, hieß es bei der NMBS. Nur in unserem Land wohl nicht mehr.

Die Niederlande will Mitte Juni eine Entscheidung zum Fyra fällen. Das hat der Sprecher der niederländischen Bahn gegenüber der Nachrichtenagentur Belga bestätigt.

Untersuchungen zeigen, dass Fyra erhebliche Mängel aufweist

Nach Ablauf der Vorstandssitzung bei der belgischen Bahn hat der CEO der NMBS, Marc Descheemaecker, am Freitagnachmittag gesagt, dass die NMBS ihren Vertrag mit AnsaldoBreda, dem Lieferanten von Fyra, aufhebe und auf die drei bestellten Züge verzichte.

Detaillierte Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich der Zug nicht bewährt habe und ein Sicherheitsrisiko darstelle. Zwei externe Expertenbüros zeigen erhebliche Mängel auf, unter anderem mit dem Bremssystem, den Batterien, dem Kabelschutz und der Rostbildung. "Bei der Montage der Züge hat jeder Mechaniker seine eigene Methode angewandt. Die Folge ist, dass man nun 19 unterschiedliche Züge hat", so Descheemaecker.

Alle Parteien hätten Einschätzungsfehler beim Ankauf gemacht, so Descheemaecker noch.

Die NMBS will nun der niederländischen Bahn vorschlagen, das derzeitige Ersatzangebot von Intecity-Zügen zwischen Brüssel und Den Haag von heute acht auf zehn ab September und später auf zwölf zu erhöhen. Die NMBS werde als Aktionär auch Thalys bitten, das Hochgeschwindigkeitsangebot zwischen Brüssel und Amsterdam von neun auf zwölf ab Dezember zu verstärken. Die NMBS plädiere zudem für eine Eurostar-Verbindung auf der Strecke London-Brüssel-Amsterdam.