Kongoboot gesunken oder versenkt?

Das ehemalige Antwerpener Kongoboot Charlesville, die heutige 'Georg Büchner', ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf der Überfahrt nach Litauen vor der polnischen Küste in der Ostsee gesunken. Davon geht die flämische Vereinigung für industrielle Archäologie (VVIA) aus. Der Schleppdampfer, der das Schiff nach Litauen bringen sollte, ist ohne die Charlesville in den Hafen von Gdansk eingelaufen. Meldungen des polnischen Seefahrt-Rettungsdienstes und der deutsche Hafen von Rostock scheinen das zu bestätigen.

Das ehemalige Rostocker Hotel- und Ausbildungsschiff 'Georg Büchner', das auch als Charlesville bekannt ist und als letztes Schiff der belgischen Reederei (CMB) in den 60er Jahren auf der Strecke Anwerpen - Matadi eingesetzt wurde, hätte im Prinzip am Freitagfrüh im litauischen Klaipeda einlaufen müssen. Dort hätte es verschrottet werden sollen. "In der Nacht ist der Schlepper 'Ajaks', der die Charlesville nach Klaipeda bringen sollte, merkwürdig geschwankt", so die VVIA in einer Mitteilung. "Danach steuerte es geradewegs und mit Volldampf auf Gdansk zu. Wir haben die Spur der Charlesville verloren."

An der Stelle, an der die Charlesville "verschwand", fahre laut dem Vorsitzenden der VVIA, Adriaan Linters, derzeit ein Schiff der Küstenwache umher. Auch ein Bericht des polnischen Seefahrts-Rettungsdienstes, in den die VVIA Einsicht bekam, weise auf einen fatalen Verlauf hin. "Der Rumpf eines Schiffs, 154 m lang, ist gesunken", heißt es darin. "Inzwischen hat auch der Hafen von Rostock, von dem aus die Charlesville abgeschleppt wurde, bestätigt, dass dasd Schiff gesunken sei", betont Linters.

Adriaan Linters bedauert das Geschehen und vermutet, dass das Kongoboot aus Versicherungsgründen vielleicht absichtlich zum Sinken gebracht wurde. Er verspricht, dass das Ganze auf jeden Fall weiterverfolgt werde, denn in Deutschland seien in letzter Zeit verschiedene Skandale ans Licht gekommen. 

Was jetzt mit der Charlesville passieren soll, ist noch unklar. "Falls das Schiff den Schiffahrtsverkehr behindert, muss es geborgen werden. Es ist jedoch nicht klar, wer das dann bezahlen soll", so Linters noch. "Aber selbst wenn es geborgen wird, wird es nur noch verschrottet werden können."

In den vergangenen Monaten wurden in Belgien und Deutschland verschiedene vergebliche Versuche unternommen, um die Charlesville vor der Verschrottung zu bewahren. Das Schiff ist das letzte übrig gebliebene ehemalige Passagiersschiff, das auf dem Liniendienst von Antwerpen in den Kongo eingesetzt wurde.

In Rostock wurde es in den vergangegen Jahren als Jugendherberge genutzt, aber diese ist vor kurzem Bankrott gegangen.

Nicht richtig seefest gemacht?

Die gesunkene Charlesville sei, bevor sie aus dem Hafen von Rostock gezogen wurde, nur unvollständig seefest gemacht worden, sagt wiederum Professor Eric Van Hooydonk, der Vorsitzende von Watererfgoed Vlaanderen, der in den vergangenen Monaten noch zusammen mit potenziellen Investoren verschiedene Versuche unternommen hatte, das Schiff zu retten."Ob es nun tatsächlich ein Unfall war, ist die Frage", so Van Hooydonk zu den Gerüchten, dass hier Versicherungsbetrug im Spiel sei.

"Beim Umbau zur Jugendherberge in Rostock wurden damals zusätzliche Bullaugen ins Schiff gebaut", erklärt Van Hooydonk. "Soviel wir wissen, waren die vor dem Abschleppen schlampig  dicht gemacht worden."