Antwerpen: Hafen kauft Opel-Grundstücke

Der Antwerpener Hafen erwirbt die Grundstücke der früheren Opel-Fabrik. Ein Richter musste den effektiven Wert der Gelände festlegen, da sich die Hafenverwaltung und Noch-Besitzer General Motors auf einen Kaufpreis nicht einigen konnten.
BELGA/WAEM

Vor rund drei Jahren, Ende 2010, schloss Opel in Antwerpen sein Werk und 1.320 Beschäftigte verloren ihren Job. 1.250 ihrer Kollegen hatten die Entlassungsprämien angenommen oder den Vorruhestand angetreten und die traditionsreiche Montagefabrik vorher schon verlassen. Seitdem blieben die Grundstücke und die Immobilien, die im Besitz von Opel-Mutterhaus General Motors waren, ungenutzt.

Schon länger hatte das Antwerpener Hafenunternehmen ein Auge auf das Gelände geworfen, denn die Lage ist durchaus als exzellent zu bezeichnen. Doch konnten sich der Hafen und General Motors nicht auf eine Kaufsumme einigen.

Ein Antwerpener Gericht sollte die Einigung bringen und rief eine unabhängige Kommission aus Fachleuten zusammen, die den Wert der Gelände bestimmen sollten. Diese schätzten den effektiven Wert auf 43,6 Mio. €. 2011 hatte der Hafen 30 Mio. € geboten, doch General Motors verlangte zwischen 90 und 100 Mio. € dafür. Bei einer solchen Summe hatte das Hafenunternehmen vorerst dankend abgelehnt, doch jetzt kommen die Grundstücke doch noch in seinen Besitz.

Was das Hafenunternehmen allerdings genau mit dem Gelände vorhat, ist noch nicht genau geklärt, wie Hafenmanager Eddy Bruyninckx dazu gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte: „Das ist ein prächtiger Ort, 90 Hektar groß. Ein so großes Gelände kann man nicht jeden Tag bieten. Wir werden in erster Linie versuchen, am Weltmarkt ein Industrieprojekt anwerben können, dass sich dort niederlässt. Ob wir danach, falls es uns nicht gelingt, ein großes Unternehmen mit einem schönen Projekt zu finden, weitere Schritte einleiten müssen, wird die Zukunft erweisen.“

Hafeneigenes Bahnunternehmen in Antwerpen?

Das Antwerpener Hafenunternehmen prüft derzeit, ob es den Schienengüterverkehr im Hafen in absehbarer Zukunft nicht selbst übernehmen soll. Bisher ist hier B-Logistics, die Gütersparte der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB tätig, doch deren Leistung entspricht offenbar nicht mehr unbedingt den Erwartungen. Am Montag wurde ein entsprechendes Projekt gegründet, das unter dem Firmennamen nv Antwerp Railport firmiert. Die Frage lautet jetzt, ob der Hafen einen eigenen Güterverkehr mit eigenen Zügen, bzw. mit eigener Rangiertätigkeit aufbauen soll.

Hafenmanager Eddy Bruyninckx schließt nichts aus: „Wir beginnen auf dem soften Weg als Gesprächspartner, später aber vielleicht als kombinierter Ankäufer von Dienstleistungen. Wenn es sein muss, gehen wir aber auch einen Schritt weiter.“