Standard: Duchâtelet bietet Verein zum Verkauf an

Die Forderung der Fans des belgischen Erstligavereins Standard Lüttich könnte bald erhört werden: Der heftig umstrittene Präsident Roland Duchâtelet (Foto) hat den Club jetzt zum Verkauf angeboten. Das Stadion von Standard Lüttich ist nicht nur in belgischen Fußballkreisen als „Hölle von Sclessin“ bekannt. Jetzt zeigt sich, dass die „höllischen“ Fans auch geschäftliche Vorgänge nicht einfach so akzeptieren.

Nachdem der Fan-Tag von Standard Lüttich am vergangenen Wochenende abgesagt werden musste, weil der Fanclub-Verband „La Famille des Rouches“ ebenfalls mit dem Clubmanagement im Clinch liegt, wurde am Montag bekannt, dass sich der Besitzer und Präsident des Vereins, der flämische Geschäftsmann Roland Duchâtelet, zurückziehen möchte. Der ehemalige Vereinsboss von STVV Sint-Truiden, ex-Politiker und millionenschwere Unternehmer ist auf der Suche nach einem neuen Eigentümer für Standard Lüttich.

Der Druck der Fans zeigt Wirkung. Roland Duchâtelet kündigte am Montag auf der Webseite des Vereins in einer Mitteilung an, dass er in einem Klima, „in dem die Sicherheit von Fans und Personal nicht mehr gewährleistet sei“, nicht länger Präsident sein wolle. Er sei bereit, Verhandlungen mit potentiellen neuen Eigentümern des Traditionsvereins aufzunehmen. Solche Übernahmekandidaten hat „La Famille des Rouches“ bereits vorgeschlagen. Dabei seien allerdings zwei Bedingungen zu erfüllen, so der Noch-Eigentümer: 90 % der kommerziellen Sponsoren des Clubs und eine Mehrheit der Vereinsmitglieder müssten dem oder den neuen Eigentümern zustimmen.

Duchâtelet war u.a. in die Kritik geraten, als er nach einem sensationellen 7:0-Sieg über AA Gent den Vertrag mit dem in Lüttich beliebten Coach Mircea Rednic nicht verlängert hatte und weil er in den vergangenen beiden Jahren die Spitzenspieler Axel Witsel, Steven Defour und Mehdi Carcela verkauft hatte. Inzwischen haben weitere Spitzenkräfte, wie Kanu und William Vainqueur, ihre Verträge einseitig aufgekündigt und wollen weg bei Standard. Vielleicht kann sie der Rückzug Duchâtelets ja noch davon abhalten. Doch die „Rouches“ werfen ihrem Noch-Präsidenten neben sportlich zweifelhaften Vorgängen auch eine angestrebte Alleinherrschaft über Standard Lüttich vor und sie kritisieren, dass er für sich Dividenden aus der Vereinskasse abziehe, Gelder, die anderswo dringend gebraucht würden.

Quelle: Grenzecho