Einst wird sie Königin von Belgien

Elisabeth, Prinzessin von Belgien, wird eines Tages ihrem Vater, Kronprinz Filip, auf den Thron folgen. Doch bis es soweit sein wird, bereitet man die kleine Prinzessin hinter den Kulissen ganz langsam auf ihren späteren Lebensweg vor.

Elisabeth Thérèse Marie Hélène von Sachsen-Coburg-Gotha, so lautet der Name der zukünftigen Königin von Belgien. Doch vorläufig ist sie noch ein Kind und eine kleine Prinzessin. Sie ist gerade mal 11 Jahre alt. Eines Tages aber wird sie ihrem Vater auf den Thon folgen. Doch die Tochter von Kronprinz Filip und Prinzessin Mathilde wird vorerst noch von der Außenwelt abgeschirmt. Aber, das sie auf ihr zukünftiges Amt schon jetzt vorbereitet wird, zeigen hier und da kleine Auftritte, bei denen sie ihr Land und das Königshaus schon ums ein oder andere Mal vertritt.

Es war ein Donnerstag. Genauer der 25. Oktober 2001 kurz vor 22 Uhr abends, als Belgien seine erste Kronprinzessin in der Geschichte des Landes bekam. Erst 1991 war das so genannte „Salische Gesetz“ abgeschafft worden, nach dem Frauen, bzw. weibliche Nachkommen der Könige, den belgischen Thron nicht besteigen durften. Elisabeth war in der Stunde der Geburt also bereits sicher die erste belgische Königin in der Geschichte. Alle sechs bisher gekrönten Häupter Belgiens waren Männer und Kronprinz Filip wird Nachfolger seines Vaters, König Albert II.

Prinz Filip saß gerade in einem Meeting mit wichtigen Geschäftsleuten, als ihn die hochschwangere Prinzessin Mathilde anrief, um ihm mitzuteilen, dass die Geburt ihrer Tochter kurz bevorstehe. Die Geburt an sich verlief rasch, denn Elisabeth kam per Kaiserschnitt zur Welt. Einige Stunden nach der Geburt und mitten in der Nacht gab Prinz Filip verschwitzt, noch in eine grüne OP-Schürze gekleidet und allerbester Laune eine erste Pressekonferenz: „Wir sind glücklich, dass es ein Mädchen ist. Ich glaube, dass das gut für Belgien ist. Das Kind ist echt schön und eine echte kleine Frau!“

Elisabeth, ein logischer Name

Die Wahl des Namens Elisabeth für die erste Kronprinzessin Belgiens scheint logisch. Kronprinz Filip erklärte das folgendermaßen: „Wir finden den Namen sehr schön. Wir haben uns aber auch die Tradition angeschaut. Meine Urgroßmutter, Königin Elisabeth, war eine Königin mit viel Charakter. Sie hat viel für unser Land getan.“

Königin Elisabeth war eine populäre, aber auch eine polarisierende Monarchin. Sie setzte sich für verwundete Soldaten während des Ersten Weltkriegs in Lazaretten ein und sie war sehr kunst- und Kulturinteressiert. Der weltberühmte belgische Musik- und Solistenwettbewerb „Königin Elisabeth-Wettbewerb“ ist nach ihr benannt.

Aber, man nannte sie auch die „Rote Königin“, denn in Zeiten des Kalten Krieges hatte sie auffallend viele Ostblockstaaten besucht.

Ganz nah am Volk dran

„Ich will dicht bei meinem Kind sein“, gab der frischgebackene Vater zu erkennen. Filip verbrachte seine Kindheit und seine Jugend sehr oft alleine oder in der Obhut anderer und musste auf seine leiblichen Eltern, Prinz Albert und Prinzessin Paola, sehr oft verzichten. Er und seine Gemahlin, Prinzessin Mathilde, wollten alles anders machen. Sie sorgten dafür, dass Elisabeth und ihre drei später zur Welt gekommenen Geschwister eine weitgehend unbeschwerte Kindheit genießen können. Keiner der vier wird bevorzugt, auch die zukünftige Königin nicht.

Filip und Mathilde bestehen zum Beispiel darauf, ihre Kinder zu jedem 1. September, bzw. zu jedem neuen Schuljahr, persönlich zur Schule zu bringen. Elisabeth geht, wie all ihre Kusinen und Vettern, aufs Sint-Jan Berchmanscollege in Brüssel. Das ist eine niederländisch-sprachige und katholische Schule, die Unterrichte vom Kindergarten an bis zur Oberstufe bietet. Ziel ist, dass die zukünftige Monarchin perfekt zweisprachig aufwächst. Zuhause wird Französisch gesprochen und in der Schule Niederländisch. Elisabeth folgt aber auch Tanz- und Musikunterrichten an einem Institut in Asse (Flämisch-Brabant).

Jeden Abend, bevor Elisabeth schlafen geht, lesen ihr ihre Eltern eine Geschichte vor. Darauf legt ihre Mutter, Prinzessin Mathilde, viel Wert: „Ich lege viel Wert auf dieses Vorlesestündchen. Wir stellen fest, dass Vorlesen für die Entwicklung unserer Kinder eine gute Sache ist. Wir hoffen, dass die diese positiven Werte in sich aufnehmen und dass dies hilfreich für die Entwicklung einer warmen Persönlichkeit sein wird.“ Mathilde will vermeiden, dass ihre Kinder weltfremde Wesen werden. Elisabeth wird ihre Eltern später zum Beispiel bei Reisen in Entwicklungsländern und bei Besuchen von humanitären Missionen begleiten. Sie soll schon bald verstehen, dass ihre Altersgenossen in armen Ländern und Regionen nicht die gleichen Chancen haben werden, wie sie. Doch offenbar ist die kleine Prinzessin schon jetzt sehr sozial und hilfsbereit eingestellt.

Unauffällige Vorbereitung auf die Regentschaft

Prinzessin Elisabeth wird ohne viel Aufhebens und völlig unauffällig auf ihre Zukunft vorbereitet. Im Alter von vier Jahren absolviert sie ihren ersten Auftritt, als sie dem traditionellen Te Deum am Tag des Königs beiwohnt. Damals wird auch der 175. Jahrestag der Eidesleistung von König Leopold I. gedacht.

Eine wesentlich auffälligere und wichtigere Prüfung erlebt sie im Alter von sieben Jahren, als sie von Brüssel aus in die Einweihung der nach ihr benannten wissenschaftlichen Station in der Antarktis eingreifen darf. „Ich wünsche ihnen viel Erfolg“, ruft sie den Wissenschaftlern im tiefen Eis in Französisch und Niederländisch zu. Doch so früh, wie ihr Vater, musste sie nicht aktiv werden. Prinz Filip durchschnitt 1962 ein Band bei der Eröffnung eines nach ihm benannten Schwimmbads. Damals war er gerade einmal zwei Jahre alt.

Mit neun Jahren verleiht sie der Eröffnung der neuen Kinderklink des Krankenhauses der Universität von Gent (Foto) besonderen Glanz. Im Rahmen dieser Eröffnung hält sie ihre erste kleine Ansprache und zwar in akzentlosem Niederländisch: „Ich bin froh, dass ich dem Kinderkrankenhaus meinen Namen verleihen kann. Das Krankenhaus wird von jetzt an einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen.“

Als sie im Mai 2013 gemeinsam mit Klassenkameradinnen eine Ausstellung über die nach ihr benannten Antarktis-Station besucht, antwortet sie lapidar auf die fast dämlich anmutende Frage, was denn mit Eis geschehe, wenn die Temperatur steigt: „Es schmilzt.“ Interesse an wissenschaftlichen Themen hat sie wohl von ihrem Vater geerbt. Doch ihre ersten vorsichtigen öffentlichen Auftritte haben auch mit dieser Thematik zu tun, was wohl auch die diesem Interesse beiträgt.

Eine Dotation nur noch für die Thronfolger

Im Juni 2013 haben sich die Mehrheitsparteien in der belgischen Bundesregierung auf eine Reform des Dotationssystems für das belgische Königshaus geeinigt. Einigen Mitgliedern der königlichen Familie wurden die staatlichen Bezüge gekürzt, anderen gestrichen. Wieder andere, z.B. die Geschwister der Thronfolger, werden in Zukunft leer ausgehen.

Kronprinzessin Elisabeth erhält jährlich bis auf weiteres 923.000 € an staatlicher Dotation. Davon sind 743.000 € als Funktionskosten vorgesehen und der Rest, 180.000 €, sind das Gehalt. Ihre Geschwister Gabriël (9), Emmanuel (7) und Eléonore (5) werden in Zukunft keine Bezüge mehr aus der belgischen Staatskasse beziehen. Sie müssen ihren Lebensunterhalt später selbst verdienen.