Familienmann mit Höhen und Tiefen

König Albert II. war nicht nur Monarch von Belgien, sondern auch ein Mensch, der zu einer Familie gehörte, bevor er seine eigene Familie gründete. Doch nicht immer lief sein Familienleben glatt und problemlos ab, nicht als Kind und auch später nicht als Prinz, Ehemann und König.

Albert Felix Humbert Theodor Christian Eugen Marie, Prinz von Lüttich, kam am 6. Juni 1934 auf Schloss Stuyvenberg als jüngster Sohn von König Leopold III. und Königin Astrid von Schweden zur Welt. Prinz Albert ist der jüngste Bruder von Josephine Charlotte (°1927) und Baudouin (°1930).

Albert ist knapp ein Jahr alt, als das Schicksal zum ersten Mal in seinem Leben zuschlägt: Am 29. August 1935 kommt seine Mutter, Königin Astrid bei einem schweren Autounfall in Kussnacht in der Schweiz ums Leben. Astrid von Schweden wurde nur 29 Jahre alt. Ihre drei kleinen Kinder wurden zunächst Gouvernanten anvertraut und später kümmerte sich ihre Stiefmutter Lilian Baels um sie.

Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, Prinz Albert ist gerade einmal sechs Jahre alt, folgen mehrere Aufenthalte im Ausland. Doch auch nach Kriegsende kehrt im belgischen Königshaus keine Ruhe ein, im Gegenteil. Alberts Vater, König Leopold III., steht im Kreuzfeuer in der so genannten „Königsfrage“, die gleichzeitig die beiden wunden Punkte im Königreich Belgien berührt: der Föderalismus und die Kollaboration. Jahrelang steht der König unter Druck, will aber nicht abtreten. 1951 dann hat das Drama ein Ende und Leopold III. nimmt Abstand vom Thron. Sein Nachfolger wird der erst 20 Jahre alte Prinz Baudouin, Alberts älterer Bruder.

Die schöne Paola tritt in Alberts Leben

1958 nimmt Prinz Albert Teil an der prunkvollen Amtseinführung von Papst Johannes XXIII. in Rom. Dabei lernt er die schöne junge Paola Ruffo di Calabria kennen, Spross eines jahrhundertealten italienischen Adelsgeschlechts. Zwischen den beiden entbrennt eine innige Liebe, die in ihren jeweiligen Heimatländern für Furore sorgt. Als Paola 1959 dem belgischen Volk offiziell vorgestellt wird, sorgt dies für ein Ende der langen Trauer um Königin Astrid.

Am Brüsseler Nationalflughafen von Zaventem wird Paola von ihrem zukünftigen Gatten, dessen Vater Leopold, einer unübersehbaren Pressemeute und jubelnden Belgiern erwartet. Die Zeitungen im Land sind entzückt. „Die Lieblichkeit und die Schönheit der blonden Adeligen aus dem Süden wird die Herzen der Belgier rasch erreichen!“ So oder so ähnlich schrieben die hiesigen Gazetten über das Ereignis.

Die königliche Hochzeit am 2. Juli 1959 stellt alles in den Schatten. Ganz Belgien erlebt entzückt die Tränen Paolas, als sie dem belgischen Prinzen ihr Ja-Wort gab. Schnell kommen drei Kinder zur Welt: Kronprinz Filip am 15. April 1960, Prinzessin Astrid am 5. Juli 1962 und Prinz Laurent am 19. Oktober 1963.

Der flamboyante belgische Prinz und dessen schöne Frau werden rasch Teil des internationalen Jetsets und verbringen viel Zeit im Ausland. Die Kinder zumeist bleiben in Belgien zurück und entfremden sich von ihren Eltern. Kronprinz Filip gerät unter die Fittichen von König Baudouin I. und von Königin Fabiola, die ihn auf seine spätere Aufgabe als belgischer Monarch vorbereiten lassen.

Dunkle Wolken über dem Traumpaar

Nach einiger Zeit scheint die Ehe von Albert und Paola schon über ihrem Zenit zu sein, denn in der Yellow Press tauchen immer mehr Gerüchte über außereheliche Beziehungen auf. Zudem bezieht das Prinzenpaar auf Schloss Belvédère eigene Wohnbereiche. Offenbar liegen die Scheidungspapiere bereits auf dem Tisch, als sich Anfang der 1980er Jahre alles wieder zum Guten wendet.

Doch dafür sorgten zunächst nicht unbedingt die Betroffenen selber. Alberts Bruder, König Baudouin, Kardinal Suenens und auch Alberts tiefgläubige Schwester, Prinzessin Astrid sollen hier vermittelt haben und auch die Charismatische Bewegung, der sowohl Astrid, als auch Königin Fabiola angehören, hatte womöglich ihren Einfluss auf das belgische Königshaus spielen lassen.

Später gab Paola in einem der seltenen Interviews, die sie der Presse gewährte, zu, dass die Ehe auf der Kippe gestanden habe: „Wir hatten unsere Probleme, doch jetzt können wir sagen, dass wir für einander geschaffen waren. Jetzt sind wir wirklich glücklich.“ Um öffentlich so etwas zu sagen, musste Paola erst 70 Jahre alt werden.

Nach dem plötzlichen Tod von König Baudouin im Sommer 1993 werden Albert und Paola unerwartet das neue belgische Königspaar. Albert I. fügt sich nach sichtbaren Problemen in den ersten Tagen recht schnell in seine neue Rolle ein. Königin Paola braucht wesentlich länger, um ihre offiziellen Pflichten den Erwartungen entsprechend zu erfüllen.

Das uneheliche Kind des Königs

Wie schwerwiegend die Ehekrise zwischen Albert und Paola wirklich war, wird erst Jahre später, genauer 1999 deutlich, als Mario Danneels in seiner Biografie Paolas enthüllt, dass Albert mit Baronin Sybille de Sélys-Longchamp, seiner früheren Geliebten, seit 1968 ein Kind hat: Delphine Boël, eine heute in London lebende und arbeitende Künstlerin.

Das belgische Königspaar gerät ins Zentrum der internationalen Berichterstattung, zumal Albert sich bis heute weigert, seine uneheliche Tochter anzuerkennen, geschweige denn zu treffen. Diese doch heftige Haltung ruft im Volk viele Fragen auf. So mancher Königstreue wendet sich verständnislos ab. Monatelang reagiert der Palast nicht, bis zur Weihnachtsansprache des Königs im Dezember 1999.

Dabei verweist er deutlich auf diese Episode, nimmt aber auch sein wiedergewonnenes Eheglück in Schutz: „Die Königin und ich haben uns der Krise, die wir als Paar vor rund 30 Jahren durchstanden haben, erinnert, denn sie wurde uns kürzlich zurück ins Gedächtnis gerufen. Wir wünschen aber nicht, darauf näher einzugehen, denn das gehört zu unserem Privatleben.“

Ausgestanden ist die Sache damit jedoch nicht, denn auch Delphine Boël geht an die Öffentlichkeit, spricht mit der Presse und stellt sogar unter großer Anteilnahme der Medien Werke in einer Brüsseler Galerie aus. Die Heirat von Kronprinz Filip mit der jungen Adeligen Mathilde d’Udekem d’Acoz im Dezember 1999 lässt die Geschichte also nur kurz in Vergessenheit geraten.

Im Juni dieses Jahren nimmt die Angelegenheit eine neue Wendung. Delphine Boël, die seit Bekanntwerden ihrer Geschichte um Anerkennung von Seiten ihres leiblichen Vaters bittet, zerrt die königliche Familie vor Gericht, denn sie fordert DNA-Test, um offiziell beweisen zu können, dass sie die Tochter des belgischen Königs ist.

Der joviale König Albert II. steigt gerne aufs Motorrad

Neben allem Unmut ist König Albert II. aber auch für seine Jovialität bekannt. Er führt auch als Monarch einen recht burgundischen Lebensstil und unterscheidet sich damit völlig von seinem Vorgänger, König Baudouin. Dieser führte einen bescheidenen und eher tief religiösen Lebensstil und viel nie durch die eine oder andere Geschichte auf.

Während Baudouin also mehr ein aristokratischer Diplomat war, ist Albert ein Genießer, der gerne gut isst, ein Glas Wein nur selten ohne zu trinken begegnet und auch motorsportlichen Abenteuern nicht unbedingt ablehnend gegenüberstand.

Seine Passion für schnelle und hubraumstarke Motorräder sorgte nicht nur einmal für Knochenbrüche, Schrammen oder andere Verletzungen. Auch jetzt, wo er älter wird, bleibt er so jovial, wie ehedem, ist aber vorsichtiger. Auf Motorräder steigt er nur noch zu Demonstrationszwecken, sonst aber können seinem sonnigen Gemüt nur noch die belgische Politik oder die Umtriebe seines jüngsten Sohnes, Prinz Laurent, Problemfalten beibringen.

Prinz Laurent, Königssohn und Enfant Terrible

Die Ehe zwischen König Albert II. und Königin Paola scheint in den letzten Jahren stärker dazustehen, als je zuvor. Das Paar ist ein echtes Tandem, sowohl bei offiziellen Anlässen, als auch im Privaten. Nur das Verhältnis mit Prinz Laurent, dem jüngsten Spross des Paares, ist mitunter getrübt. Er bringt das Königshaus sowohl auf diplomatischer Ebene, als auch mit seinem oftmals grenzenlosen burgundischen Lebensstil mehr als einmal in Verlegenheit.

Der Höhepunkt ist Laurents geschäftlicher Auftritt im Kongo im März 2011, wohin er trotz eines Verbots von Seiten seines Vaters, als auch von Seiten damaligen Premierministers Yves Leterme reiste. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Beziehungen zwischen Belgien und seiner ehemaligen Kolonie Kongo einmal mehr einen schweren Stand. Laurent begreift den Ernst der Lage wohl nicht und holt in den belgischen Medien schweres Geschütz gegen die Entourage des Königs aus. Die Stimmung ist siedend und Albert II. nimmt öffentlich Stellung. „Was in der Presse erschienen ist zur Tatsache, dass der König entzürnt ist, stimmt mit der Realität überein.“, heißt es in einer entsprechenden Mitteiling.

Im Mai 2011 wird deutlich, dass Prinz Laurent im Palast nicht mehr willkommen ist und dass das Königshaus auf seine Dienste zur Repräsentierung des Landes und bei öffentlichen Anlässen nicht mehr zurückgreift. Erst im September des gleichen Jahres werden die Wogen wieder glattgestrichen. Solch ein öffentlicher Konflikt zwischen dem König und seinem Sohn ist eher eine seltene Angelegenheit, doch 2007, als es bei der Marine zu Unstimmigkeiten in Bezug auf die Finanzierung einer Wohnungsrenovierung für Laurent kam, wurde der Prinz schon einmal für ein halbes Jahr verbannt.

Opa Tino und Oma Lita

Für ein großes Familienglück sorgen allerdings die inzwischen 12 Enkelkinder des belgischen Königspaars. Die Kinder nennen Albert und Paola liebevoll Opa Tino und Oma Lita.

Kronprinz Filip und Prinzessin Mathilde haben gemeinsam drei Kinder: Elisabeth (°2001), die vielleicht einmal später die erste belgische Königin sein wird, Gabriël (°2003), Emmanuel (°2005) und Eléonore (°2008).

Prinzessin Astrid und Erzherzog Lorenz haben zusammen fünf Kinder: Amedeo (°1986), Maria Laura (°1988), Joachim (°1991), Louisa Maria (°1995) und Laetitia Maria (°2003).

Zu guter Letzt haben Prinz Laurent und seine Ehefrau, die Bürgerliche Claire Coombs, drei Kinder: Louise Marie (°2004) und die Zwillinge Nicolas und Aymeric (°2005).