Filip, der geduldige Prinz, wird Belgiens siebter König

Nur wenige Wochen nach seinem 53. Geburtstag wird Prinz Filip der siebte König von Belgien. Das er seinem Vater auf den Thron folgen wird, steht schon lange fest. Dass er den Thron allerdings übernehmen sollte, weil sein Vater abdankt, stand so nicht unbedingt im Regiebuch.

Filip Leopold Louis Marie komt am 15. April 1960 als erstes Kind von Prinz Albert und Prinzessin Paola zur Welt und wächst auf Schloss Beelvédère in Laken auf. Rasch kommen Geschwister hinzu: Astrid (heute 51) und Laurent (heute 49). Die Kinder müssen sehr oft auf ihre Eltern verzichten, die weit weg von zu Hause ihr Jetset-Leben führen oder auch ein ganz anderes Liebesleben (nicht unbedingt mit einander). Vater Albert war zeitweise mit der Baronin Sybille de Selys-Longchamps liiert, mit der er eine außereheliche Tochter, Delphine Boël, hat.

Lange Zeit sieht es so aus, dass Filip kaum Anspruch auf den Thron stellen kann, denn man erwartete, dass sein Onkel, der spätere König Baudouin, Nachkommen haben werde, von denen der erste Sohn einst Monarch werden würde. Doch schon in den 1960er Jahren wird deutlich, dass Baudouins Ehe mit der aus Spaniens stammenden Adeligen Fabiola Kinderlos bleiben wird. Fünf Mal erleben die beiden eine Fehlgeburt.

Danach beginnen Baudouin und Fabiola damit, ihren Neffen Prinz Filip, für diese Aufgabe auszubilden. Er ist nach Albert, Baudouins Bruder, der zweite Thronfolger in der Linie der Sachsen-Coburg-Gothas in Belgien. Für ihn lässt Fabiola sogar eine eigene niederländisch-sprachige Pfadfindergruppe aufbauen, damit er die zweite Landessprache in Belgien erlernt. Filip besucht zudem einige Jahre lang ein Internat in der Provinz Westflandern. Der Hof will aus dem Prinzen einen charakterstarken Monarchen machen.

Leidenschaft für Technik und Wissenschaft

Filip wird Kadett an der Königlichen Militärschule und studiert danach politische Wissenschaften in den USA. Er ist damit der erste Coburger in Belgien, der ein Unidiplom vorweisen kann.

Prinz Filip ist bekannt als sportlicher Typ und es kitzelt in ab und an, sich selbst zu testen. Er schließt sich den Fallschirmjägern der belgischen Armee an und wird Kampfpilot für den Typ F-16. Später lässt er sich noch zum Hubschrauberpiloten ausbilden. Einen eigenen Hubschrauber hatte er erst kürzlich verkauft (nach dem Nachbarn über ständigen Fluglärm geklagt haben sollen…).

Genau wie sein Vater ist Prinz Filip technikbegeistert und interessiert sich sehr für wissenschaftliche Themen, speziell die Raumfahrt. 1992 unterhält er sich ungezwungen und locker mit dem ersten Belgier im All, Dirk Frimout. Dieses Gespräch ist vielen noch in Erinnerung geblieben, denn der Astronaut sagte: „Filip, im All gibt es kein Protokoll.“ Und der Prinz fragte Frimout: „Sag mal, was siehst Du eigentlich, wenn aus dem Fenster schaust?“

Ein wichtiger Repräsentant des Landes

Durch den plötzlichen Tod von König Baudouin am 31. Juli 1993 kommt unerwartet dessen Bruder, Prinz Albert auf den Thron. Das überrascht Freund und Feind, denn das ganze Land erwartete, dass jetzt Prinz Filip, der Augapfel von Baudouin und Fabiola, den Thron besteigen würde.

Erst jetzt wird Filip zum echten Kronprinzen. Er ersetzt seinen Vater, König Albert II. als Ehrenvorsitzenden des Dienstes für Außenhandel und vertritt Belgien bei Reisen und Wirtschaftsmissionen in der ganzen Welt, wobei er keine schlechte Figur abgibt.

Als Sohn des Königs ist Prinz Filip auch von Rechtswegen Senator, genau, wie seine Geschwister Laurent und Astrid. Bei seiner Eidesleistung in dieser Zweiten Kammer im belgischen Bundesparlament gibt er an, dass er Brücken zwischen den verschiedenen Gemeinschaften im Land bauen wolle. Dazu gründet er auch den Prinz Filip-Fonds.

Frischer Wind in Belgiens Königshaus

Am 11. September 1999 versetzt Filip das ganze Land im Aufruhr, als er seine Verlobte, die 13 Jahre jüngere Adelige Mathilde d‘Udekem d’Acoz vorstellt. Die Presse hatte gerade erst Wind davon bekommen, dass sich der Prinz liiert hatte. Er stellt Mathilde auch gleich in den Gärten von Schloss Laken vor. Der manchmal hölzern wirkende Königssohn zeigt sich dabei auffallend locker und gibt offen zu, seinem Herzen gefolgt zu sein.

Durch Mathilde weht ein neuer und frischer Wind durch die Flure von Schlössern und Palästen der belgischen Königsfamilie und die Verlobung der beiden wird ein rauschendes Fest. Hunderte einfache Bürger werden eingeladen, daran auf Schloss Laken teilzunehmen. Der Hochzeit von Filip und Mathilde in der Kathedrale von Brüssel folgen Millionen TV-Zuschauer. Das belgische Traumpaar ist tagelang in den Medien weltweit präsent und die anschließenden Antrittsbesuche im Land sind ein großer Erfolg.

Mathilde erntet viel Lob für ihren Einsatz und sie sorgt dafür, dass Prinz Filip endlich seine innere Ruhe finden kann, doch die Medien im Lande zeichnen immer noch das Bild eines hölzernen und spröden Königssohns. Mit der Presse steht Filip denn auch in einem gespannten Verhältnis und diese wirft ihm vor, bei Handelsmissionen uninspiriert, gar langweilig vorzugehen. Solche Kritik trifft ihn schwer, doch er gibt stets an, nicht in einer Position zu sein, in der man solches parieren könne.

AP1999

Filip wird Vater

Im Oktober 2001 kommt wieder eine schöne Meldung aus dem Palast, als Prinzessin Mathilde einer Tochter, Prinzessin Elisabeth, das Leben schenkt. Sie ist, dank der Abschaffung der so genannten Salischen Gesetze“, die weibliche Thronfolger ausschlossen, die nächste Königin. Der frischgebackene Vater zeigt sich einmal mehr als ein spontaner Mensch und seine improvisierte Pressekonferenz vor der Geburtsklinik zeigt einen ganz normalen überwältigten Vater. Elisabeth bekommt noch drei weitere Geschwister: Gabriël, Emmanuel und Eléonore.

Doch dann bringen die Medien erneut dunkle Wolken über den Palast und über Filip, denn der Journalist und Autor Frédéric Deborsu suggeriert in seinem Buch „Königsfragen“, dass die Ehe zwischen Filip und Mathilde arrangiert wurde und dass deren Kinder nicht auf natürlichem Wege erzeugt worden seien.

Hierauf reagierte Filip allerdings persönlich: „Der Tag, an dem Mathilde ‚ja‘ sagte, als ich sie um ihre Hand bat, war der glücklichste Tag in meinem Leben. Seit diesem Tag hat uns unsere Ehe vier Kinder geschenkt, die wir mit Liebe umringen. Eine Liebe, die sie ins im Überfluss zurückgeben. Ich bringe diese Klarstellung mit Heiterkeit.“

BELGA/WAEM

Politische Meinung? Not done!

Zwei Mal klopft ihm der ehemalige belgische Premierminister Guy Verhofstadt auf die Finger, denn 2004 sorgt Prinz Filip für ein politisches Problem. In einem Gespräch mit dem Yellow Press-Magazin Story am Rande einer Handelsmission in Schanghai macht er kritische Bemerkungen zur rechtsradikalen flämischen Partei Vlaams Belang: „Im Ausland müssen wir aus einem Mund reden und als ein Land auftreten. Sonst ist es getan mit Belgien, dann bestehen wir nicht mehr. Und wer Belgien angreift, der greift auch mich an.“

Premier Verhofstadt muss den Prinzen zurückpfeifen und erinert ihn daran, dass er sich der königlichen Neutralität zu beugen habe und zurückhaltender Auftreten müsse. Doch Verhofstadt muss ein weiteres Mal eingreifen, als die Unterschrift des Prinzen unter einem Manifest des belgischen Arbeitgeberverbandes VBO auftaucht, in dem die Wirtschaftspolitik der damaligen Regierung aufs Korn genommen wird.

Kann er’s oder kann er’s nicht?

Seit in den Niederlanden Königin Beatrix zu Gunsten ihres Sohnes, König Alexander, auf den Thron verzichtete, stellt man sich in Belgien die Frage, ob König Albert II. ein ähnliches Szenario in petto hat, auch wenn dies in unserem Land so, d.h. auf freiwilliger Basis, noch nie geschehen ist.

Und wie ist es um Filips politische Ansichten und um seine Fähigkeiten bestellt? Seit den oben erwähnten politischen Peinlichkeiten sagen die einen, dass „er es nicht kann“. Andere aber gewähren ihm durchaus einen Vertrauensvorschuss. König Albert II. hat einiges an Erfahrung bei verschiedenen Regierungsbildungen aufbauen können und kann das Land auch durch schwere politische Zeiten führen. Filip hat diese Erfahrung allerdings überhaupt nicht.

Zudem steht die Frage im Raum, ob sich die Monarchie in Belgien nicht eher in Richtung einer protokollarischen Regentschaft bewegen sollte, in der der König nicht länger eine Rolle bei Koalitionsverhandlungen oder anderen regierungsbildnerischen Vorgängen einnehmen muss. Auch hier haben es die Niederländer bereits vorgemacht: Hier wurde auf eine protokollarische Form der Monarchie umgeschaltet.

Prinz Filip hingegen sagt sein Jahren, dass er bereit sei, den belgischen Thron zu besteigen. Bereits 2008 gab er gegenüber der VRT-Magazin-Redaktion der Sendung „Koppen“ zu verstehen, dass er sich den Umständen anpassen werde.