Reaktionen: Überraschung, Ehrung, Zukunft

Nach dem Thronverzicht zu Gunsten seines Sohnes am Mittwoch hat König Albert Freund und Feind überrascht, obschon dieser Schritt allgemein erwartet wurde. In die Reaktionen auf den Vorgang fließen auch Gedanken an die Zukunft der Monarchie in Belgien ein.

Im Allgemeinen waren die Reaktionen am Mittwoch und auch noch am Donnerstag auf den Thronverzicht von König Albert II. und auf dessen 20 Jahre währende Regentschaft positiv. Albert gilt als ein herzlicher und humorvoller Mann, der hart gearbeitet hat und der stets umsichtig handelte, wenn es zum Beispiel um die politische Diplomatie im nicht ganz so einfachen Staatsgefüge Belgiens ging.

Fast alle Parteien in Flandern sind aber der Ansicht, dass ein König sich den Zeiten anpassen solle und wollen auf absehbare Zeit das Grundgesetz dahingehend ändern, dass der belgische König nicht mehr unbedingt in eine Regierungsbildung involviert werden soll und dass er auch nicht unbedingt Gesetze und Erlasse unterzeichnen müsse, um diese Rechtskräftig werden zu lassen.

Die flämischen Nationaldemokraten der N-VA, nicht unbedingt als Belgienfans und Monarchisten bekannt, bezeugten dem fast 80jährigen Monarchen ihren Respekt. Parteichef Bart De Wever sagte, dass man nicht immer einer Meinung mit dem König gewesen sei, doch man zolle der Person des Königs Respekt. Die N-VA erinnerte aber auch daran, dass sie das Amt des Königs ablehne.

Bei Flanderns Sozialisten SP.A steht die Frage des Umbaus der belgischen Monarchie nicht wirklich auf der Tagesordnung, auch nicht nach dem Abdanken des Monarchen. Parteichef Bruno Tobback ist zwar der Ansicht, dass der Monarchie eine protokollarische Funktion erhalten sollte, doch eine Debatte müsse man nicht führen, denn eigentlich habe ein belgischer König de facto bereits heute schon nur noch eine repräsentative Rolle.

Wouter Beke, der Vorsitzende der flämischen Christdemokraten CD&V, meint, dass der zukünftige König selbst die Rolle seines Amtes bewerten solle. Er geht davon aus, dass sich König Filip sowieso in Richtung protokollarischer Monarch entwickeln werde. Dieser Ansicht schloss sich die Vorsitzende der flämischen Liberalen Open VLD, Gwendoline Rutten, durchaus an, doch sie glaubt, dass man einige Dinge in dieser Hinsicht schon jetzt anpassen sollte.

Flanderns Grüne von Groen halten den Moment der Rücktrittsankündigung für einen geeigneten Augenblick, über die Zukunft der Rolle der Monarchie in Belgien zu reden. Sie plädieren für eine protokollarische Funktion der Monarchie, womit sie bei weitem nicht alleine stehen.

Linksextrem und Rechtsextrem lehnten die Monarchie einmal mehr rundweg ab. Die Partei der Arbeit (PvdA) und Vlaams Belang forderten wieder die Einrichtung einer Republik in Belgien.

Reaktionen aus dem Ausland

Auch aus dem Ausland kommen Reaktionen zum Thronverzicht von König Albert II. Der niederländische Premierminister Mark Rutte bedankte sich bei dem belgischen Monarchen für die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern. König Albert habe stets sein großes Verantwortungsbewusstsein mit seiner charmanten Persönlichkeit verbinden können, so Rutte weiter.

Nach Ansicht von José Manuel Barroso (Foto), dem Vorsitzenden der EU-Kommission, hat König Albert II. während seiner 20 Jahre währenden Regentschaft stets die Werte eines vereinigten Europas verteidigt. Barroso hegt keinen Zweifel daran, dass auch Kronprinz Filip nach seiner Vereidigung die engen Beziehungen zwischen Belgien und den Einrichtungen der Europäischen Union fortsetzen werde.