Brüssel: Abwässer von größtem Hochhaus fließen in Zenne

Die Abwässer des Wohnkomplexes Up-site, der sich derzeit noch im Bau befindet und unweit des Tour & Taxis-Gebäudes entstehen soll, werden offenbar direkt in den Fluss Zenne geleitet werden. Das meldet der französischsprachige öffentlich-rechtliche Rundfunk RTBF am Montag. Der Sender konnte sich einen Einblick in die Baupläne verschaffen. Daraus geht hervor, dass es sich um Wasser von rund 2.500 Menschen handelt.

Zu Up-site werden u.a. das höchste Brüsseler Wohngebäude zählen, das 42 Stockwerke haben und 140 Meter hoch werden soll. Der Komplex wird außerdem noch vier weitere Wohngebäude, vier Bürogebäude und einige Geschäfte enthalten.

Laut offiziellen Plänen werde das Abwasser dieses Komplexes nicht über die Kläranlage Nord geleitet werden, sondern direkt in die zum Teil unterirdische Zenne. Das Wasser wird also nicht gesäubert. 

Sowohl die EU als auch die Brüsseler Region schreiben jedoch vor, dass das Wasser gereinigt werden muss. Entwickler Atenor hat diese Situation offenbar gegenüber der Webseite brusselnieuws.be bestätigt. "Die Situation ist schon seit Jahren bekannt", sagt Atenor-Manager Stéphan Sonneville. "Das gilt auch für das Justizministerium, das sich im Gebäude neben Up-site befindet."

"Alles unter Kontrolle", sagt Umweltministerin

Inzwischen hat die Brüsseler Umweltministerin Evelyne Huytebroeck (Ecolo) reagiert. Sie sei von dem Wasserversorgungsunternehmen in Brüssel, Hydrobru, beruhigt worden. "Alles ist eingeplant und unter Kontrolle. Die Arbeiten werden bis 2014, also bevor die ersten Leute einziehen, fertig sein", so Huytebroeck.

Die Ministerin erklärte noch, dass schon 2010 bei Abgabe der Ausfertigung der städtebaulichen Genehmigung der Anschluss an den großen Kollektor am rechten Ufer des Kanals gemeldet wurde, der zur Kläranlage Nord führt. Mit den Arbeiten sei 2012 begonnen worden. Hydrobru habe mit Kollegen von der Wassergesellschaft Vivaqua und mit Beliris Vereinbarungen getroffen, gleichzeitig einige Arbeiten durchzuführen, darunter auch den Anschluss an die Kläranlage.

Rund 500 Kilometer Kanalisation in Brüssel müssten renoviert werden und verschiedene unbewohnte Gebiete entlang des Kanals seien noch immer nicht an die Kläranlage angeschlossen. Dank einer Finanzierung der Europäischen Investitionsbank könnte die Renovierung der Brüsseler Kanalisation innerhalb von 20 Jahren abgeschlossen sein. Trotzdem versicherte Huytebroeck, dass das Wasser der Zenne Dank der beiden Kläranlagen Nord und Süd bei Verlassen der Stadt sauberer sei als beim Hereinfließen.