Steuerbetrug mit einer illegalen Software

Die belgische Steuerfahndung hat in den vergangenen Tagen rund 100 kleine und mittelständische Unternehmen kontrolliert. Ihnen wird vorgeworfen, ihre Buchhaltung mit einem speziellen Programm manipuliert haben, um Steuern zu sparen. John Crombez (SP.A - Foto), Staatssekretär für Betrugsbekämpfung, sagte diesem Computerprogramm jetzt den Kampf an.

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Software-Firma SAGE TML aus Groot-Bijgaarden in der Nähe von Brüssel hatte die Steuerfahnder über geheime Funktionen in einem umstrittenen Buchhaltungsprogramm vom Typ DBFACT informiert. Die Sache funktioniert wohl ganz einfach, in dem man einen bestimmten Befehl in das Programm eingibt. Sofort öffnet sich ein Fenster über das Einnahmen verbucht werden, die man vor dem Zugriff der Steuer schützen will. Der entsprechende Ordner des Buchhaltungsprogramms bleibt geheim.

Die Nutzer der Software legen also quasi eine schwarze Kasse in ihrer Buchhaltung an, die die Steuerfahndung nicht entdecken kann, es sei denn, sie weiß Bescheid. Der Vorteil für die Betrüger: Sie haben vermeintlich weniger Umsatz und müssen demnach auch weniger Steuern zahlen. Einzelne Gewinne werden illegal und ohne Wissen des Fiskus verbucht.

Zu einem genauen Umfang des Betrugs machte die Steuerfahndung noch keinerlei Angaben. Allerdings sollen bereits rund 100 Betriebe im Land auf die entsprechende Buchhaltung und die schwarzen Kassen hin überprüft worden sein. Weitere 400 Kontrollen der Steuerfahnder sollen in den nächsten Tagen erfolgen. Betroffen sind sowohl Einzel- und Großhändler als auch andere mittelständische Unternehmen. Alle diese Firmen nutzen das SAGE TML-Programm DBFACT für ihre Buchhaltung.

Belgiens Staatssekretär für Betrugsbekämpfung, der flämische Sozialist John Crombez (SP.A) will sowohl die Nutzer, als auch die Hersteller des Programms in die Verantwortung nehmen: „Offenbar wollen einige Hersteller weiter gehen, als zugelassen und versuchen sich so, ihrer Verantwortung zu entziehen.“ Die Steuerfahndung sei jetzt auf der Suche nach weiteren Sektoren, in denen das SAGE TML-Programm genutzt werden könne, denn nicht zuletzt, so Staatssekretär Crombez, stelle dies auch eine Form von Wettbewerbsverzerrung dar.

"Wir sind nicht verantwortlich"

Bei SAGE TML, dem Entwickler des Buchhaltungsprogramms, hält man sich zu den Vorwürfen zurück und es folgte bisher nur eine schriftlich Stellungnahme. Die Verantwortung liege bei den Nutzern des DBFACT-Softwareprogramms. Wenn jemand das Programm zu betrügerischen Zwecken nutze, sei die Herstellerfirma dafür nicht verantwortlich. Allerdings wolle man die umstrittene Funktion bei der Kundschaft jetzt abschalten.

Der ehemalige Mitarbeiter von SAGT TML hingegen, der offenbar an der Entwicklung des Programms beteiligt war, sagte hingegen, die Firma wisse sehr wohl über die geheimen Möglichkeiten der Software Bescheid und habe die entsprechende Funktion auf ausdrücklichem Wunsch der der Käufer programmiert.