Warum feiern die Belgier ihren Nationalfeiertag?

An jedem 21. Juli feiern die Belgier ihren Nationalfeiertag. Dieser Tag erinnert an die Staatsgründung und an die Vereidigung des ersten belgischen Königs. Die Staatsgründung ist die Folge der belgischen Revolution vom August 1830, die durch einen aufwiegelnden Operntext ausgelöst wurde. Mit Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha wurde der erste belgische König gefunden und vereidigt.

Der Sommer 1830 war geprägt von einer schlechten Ernte und von einer rigorosen Politik des niederländischen Königs Wilhelm I., der die „Niederen Lande“ unbedingt vereint lassen wollte. Das damalige katholische und französisch sprechende Belgien jedoch war mit dieser Einigungspolitik, die ohne Besatzungstruppen gar nicht erst funktionieren konnte, nicht einverstanden.

Den Belgiern und allen voran der Bourgeoisie in Brüssel waren die Ereignisse der Julirevolution in Frankreich nicht entgangen und eine eher spontane Rebellion einiger aufgestachelter Besucher einer Oper mündete in einem schnell wachsenden Aufstand.

Die Oper „Die Stumme von Portici“ aus der Feder des Franzosen Daniel François Esprit Auber mit ihrem aufwiegelnden Text, der damals durchaus dem revolutionären Zeitgeist entsprach, ließ am 25. August einige Besucher der Brüsseler Oper mit Parolen gegen die verhassten niederländischen Besatzer auf die Straße gehen. Diese simple und spontane Revolte griff jedoch schnell um sich.

Die Unterdrückung ist eine Folge des Wiener Kongresses

1815 sorgten die Beschlüsse des Wiener Kongresses nach dem Sieg über Napoleon für eine Neuordnung Europas. Dies führte jedoch zur Zwangsvereinigung der katholischen belgischen Gebiete mit den protestantischen Niederlanden. Die Folge waren Bevormundungen, Schikanen bis hin zur Besteuerung der hiesigen Industrie ohne nennenswerte Gegenleistung.

Die belgische Revolution endete am 26. September 1830 mit der Vertreibung der niederländischen Truppen. Bereits am 4. Oktober rief eine provisorische Regierung aus Katholiken und Liberalen den unanhängigen Staat Belgien aus. Am 27. Oktober begannen die Holländer mit einer Gegenoffensive, während der unter anderem Antwerpen beschossen wurde. Doch diese Offensive musste unter dem Druck der europäischen Großmächte abgebrochen werden.

Ein König musste her

Die Belgier erklärten das Haus der Oranier auf ihrem Boden für abgesetzt und richteten eine konstitutionelle Monarchie ein. Im Februar 1831 setzten sie eine recht liberale Verfassung ein. König wurde Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha, auf den die Wahl nach längerer Suche viel.

Leopold I. wurde am 21. Juli 1831 in Brüssel feierlich vereidigt und damit war die konstitutionelle Monarchie Belgien offiziell ein eigener und unabhängiger Staat. Dieser Tag wurde dann zum belgischen Nationalfeiertag ausgerufen.

Die fünf damaligen Großmächte Frankreich, Großbritannien, Russland, Preußen und Österreich erkannten im so genannten Londoner Protokoll 1831 ebenfalls die Unabhängigkeit Belgiens an und garantierten die Neutralität.

Diese garantierende Unterstützung war schon bald bitter nötig, denn im August 1831 versuchten niederländische Truppen erneut in Belgien einzumarschieren. Diese Invasion wurde jedoch mit Hilfe Frankreichs zurückgeschlagen.