Der neue König geht vorbereitet in sein Amt

König Albert II, von vielen Belgiern auch der fröhliche König genannt, dankt am heutigen 21. Juli, pünktlich zum Nationalfeiertag der Belgier, ab und sein Sohn Prinz Philippe – ein Spitzname für ihn hat sich beim Volk bislang noch nicht wirklich durchgesetzt - wird zum neuen König der Belgier. Philippe hat sich lange auf den Thron vorbereiten können.

König Albert II. wurde mit vielen Spitznamen und Ehrentiteln versehen. Beim Volk ist er unter anderem als der "fröhliche oder der lachende König" beliebt, der stets zu einem Scherz aufgelegt ist.

In der Geschichte Belgiens gehe er laut Le Soir als "Albert II. le Bien-Aimé" (Deutsch : "Albert II., der Vielgeliebte") ein und den Ehrentitel "Vater des Vaterlandes" trägt der König auch, weil er das Land durch zwei große Krisen geführt hat. Die eine war die Dutrouxkrise in den 90er Jahren, die andere die Regierungskrise, bei der man sich gegen Ende 2011 nach 541 Tagen endlich auf eine Regierung einigte.

Jetzt übergibt der 79-jährige Albert II., der älteste Monarch im Amt seit der Gründung der belgischen Monarchie im Jahr 1830 (1831 wurde Leopold I. zum ersten König der Belgier), seinem Sohn Philippe die Krone.

Guter Zeitpunkt

Es ist ein sichtlich guter Zeitpunkt für den Thronwechsel in Belgien. Mit dem vor kurzem vollzogenen Thronwechsel in unserem Nachbarland, den Niederlanden, waren sowieso schon wieder neue Gerüchte in Umlauf und da war es an der Zeit, den lang erwarteten Thronwechsel auch in Belgien anzukündigen. Für viele Medien war das Datum der Abdankung König Alberts II. und der Vereidigung des neuen Königs schon seit einiger Zeit ein offenes Geheimnis, nur die Ankündigung am 3. Juli hat wohl die meisten Pressevertreter völlig überrascht.

Ein guter Zeitpunkt ist der Nationalfeiertag auch schon deshalb, weil es politisch derzeit relativ ruhig ist. Die Staatsreformen sind auf dem Weg, die Haushaltsgespräche vorerst abgeschlossen und die nächsten belgischen Wahlen im Frühjahr 2014 noch weithin.

Was die Tests zur Vaterschaft angeht, die Delphine Boël (45) im Juni von Albert, seinem Sohn Philippe und seiner Tochter Astrid verlangt hat, um endlich auch offiziell als die uneheliche Tochter von König Albert anerkannt zu werden, so kann ihm wohl nur positiv angerechnet werden, dass er sich nicht hinter Philippe versteckt und trotzdem abdankt, denn als König war er unantastbar.

Philippe muss sich noch "Beinamen" verdienen

Wenn heute Philippe (53) die Krone übernimmt, übernimmt er damit natürlich auch die Sorgen und Probleme dieses Landes, die es künftig zu meistern gilt.

Der neue König soll das Land, das aus so vielen Gegensätzen besteht – im Norden redet man vornehmlich niederländisch, im Süden französisch; Flandern hat starke politische Kräfte, die die Unabhängigkeit des Landes fordern, Wallonien kämpft vor allem mit hoher Arbeitslosigkeit – zusammenhalten und vermitteln. Das wird von vielen aus der Bevölkerung zumindest erwartet. Gleichzeitg ist der König kein "Erster Minister", hat keine politische Macht, sondern vor allem eine repräsentative Rolle im Land zu spielen. So bewegt sich der König ausschließlich im Bereich der föderalen Struktur des Landes. Er darf weder Partei ergreifen, noch allein handeln.

Doch Philippe ist im Gegensatz zu seinem Vater auf sein Amt vorbereitet worden. So hatte der verstorbene Bruder Alberts II., Boudewijn, Philippe noch zu seinen Lebzeiten unter seine Fittiche genommen. Außerdem hat Philippe eine Militärausbildung und in Oxford und Stanford studiert - gut für seinen Lebenslauf.

Während der Amtszeit seines Vaters konnte sich Philippe zudem langsam seiner künftigen Rolle als König nähern. Er hat all die Jahre Handelsmissionen für Belgien in der ganzen Welt geleitet und die Zeit gehabt, sich eine Frau zu suchen, Mathilde d’Udekem d’Acoz und eine Familie zu gründen. Seine Frau, eine Logopädistin, hat sowieso schon die Herzen vieler Belgier erobert und auch das Vatersein - die beiden haben vier Kinder (Elisabeth, Gabriel, Emmanuel und Eléonore) - tut Philippes Image gut.

Er hat auch inzwischen gelernt, sich mit unvorsichtigen politischen Äusserungen - wie 2004 auf seiner China-Reise als er die rechtsextreme Partei Vlaams Blok scharf kritisierte oder als er eine Petition der Unternehmer unterschrieb, die die Regierung kritisierte, - zurückzuhalten. In einem Interview sagte er einmal : "Natürlich trifft es mich, vor allem, wenn die Dinge, die gesagt werden, nicht der Wahrheit entsprechen."

Mit den Parlamentariern von Vlaams Belang (der nachfolgenden Partei des Vlaams Blok) wird er am heutigen Krönungstag bei der Vereidigung jedoch wohl eher nicht konfrontiert werden, denn ihre Parteileitung hat beschlossen, der Einstellung von Philippe von Sachsen-Coburg zum Landesoberhaupt fern zu bleiben.

Aber Philippe ist sowieso mit Äusserungen jeglicher Art vorsichtiger geworden, vor allem gegenüber den Medien. Als er jüngst von einem Journalisten auf eine Reaktion auf Delphine Boël angesprochen wurde, verwies er auf das schöne Wetter : Eine gute Voraussetzung für den Beginn seiner neuen Funktion als König.