Tosender Applaus bei Vereidigung von Philippe

Nach der Abdankung von König Albert II. zugunsten seines Sohnes Philippe hat der Kronprinz seinen Eid auf die Verfassung vor den Vereinigten Kammern im Palast der Nation geschworen. "Ich werde diese unsere guten Eigenschaften mit allen Kräften in Belgien und im Ausland fördern und unterstützen", sagte Philippe direkt nach der Vereidigung auf Deutsch und er endete seine Rede mit "Es lebe Belgien".

Der Präsident der Abgeordnetenkammer, André Flahaut, wandte sich zunächst in einer Rede an Philippe, der unter großem Applaus auf dem Thron Platz nahm.

Philippe war immer noch sehr bewegt, als der Kammerpräsident die Eidesleistung mit einer Ansprache an ihn einleitete, über die wichtige Aufgabe des Königs sprach und ihm eine lange und erfolgreiche Zeit als König wünschte.

Philippe, der übrigens erst eine I. hinter seinem Namen erhält, wenn es einen Philippe den Zweiten gibt, schwörte auf die Verfassung und tosender Applaus folgte. In seiner Antrittsrede betonte der neue König Philippe, dass er sich der Verantwortung bewusst sei, die ihm dadurch übertragen würde.

An seinen Vater, König Albert II. gerichtet, der übrigens weiterhin den Namen König trägt - nur der Teil "der Belgier fällt weg" - betonte der neue König Philippe: "Mit Abgeklärtheit, Würde und großer Hingabe haben Sie das belgische Volk in schwierigen Zeiten sowie auch in glücklichen Momenten begleitet und dies in einer Zeit, die von tiefgreifenden Veränderungen weltweit geprägt ist. Dafür sind wir Ihnen dankbar."

Auch Mathilde bedachte er in seiner Rede mit Dankesworten: "Du zeigst auf wunderbare Weise immer wieder Deinen angeborenen Sinn für menschliche Kontakte. Mit unseren geliebten Kindern beginnen wir voll Vertrauen dieses neue Kapitel in unserem Leben und für unser Land."

Weiter betonte er, dass er sich in den Dienst aller Belgier stellen wolle. "Mein Handeln wird dafür in vollem Einvernehmen mit der Regierung und im Rahmen der Verfassung erfolgen." Schon in der Vergangenheit habe er Bindungen zu zahlreichen Mitbürgern knüpfen und festigen können und diesen Dialog wolle er auch intensiv fortführen.

Philippe will vor allem konstruktiven und mehr Kontakt mit den Teilstaaten. Das ging auch noch aus der Rede von Philippe hervor. Damit dürften wohl auch die Ministerpräsidenten von Flandern und Wallonien sehr zufrieden sein.

Immer wieder gelinge es uns, die Balance zwischen Einheit und Vielfalt zu finden. Die Stärke Belgiens sei gerade auch, unserer Vielfalt einen Sinn zu geben, so Philippe noch.

Mit der Vereidigung hat Belgien seinen 7. König. Auch seine vier Kinder waren bei der Vereidigung zugegen.

Dieses Mal keine Zwischenrufe

Die Zeremonie verlief reibungslos - keine bösen Zwischenrufe wie einst bei der Vereidigung von Albert II.

König Philippe und Königin Mathilde mussten noch die goldenen Bücher von Kammer und Senat unterschreiben (Foto). Kurz zuvor hörte man die Kanonenschüsse zur Ehren des neuen Königs.

Danach ging es mit Eskorte bei strahlendem Sonnenschein und in einem Mercedes Cabriolet, der extra aus Deutschland eingefahren wurde, zum reich geschmückten Königspalast.

Vor dem Königspalast hatten sich massenhaft Menschen angesammelt, die auf das neue Königspaar warteten.

Auf dem Balkon erschienen zunächst König Philippe und Königin Mathilde und dann kamen auch die vier Kinder hinzu, die ebenfalls vom Balkon aus winkten. Danach folgten rechts und links die beiden Geschwister Philippes, Astrid und ihr Mann sowie Laurent und seine Frau.

Etwas lockerer und weniger verkrampft als einst bei der Hochzeit des Königspaars küßte Philippe die Hand seiner Frau und Mathilde drückte liebevoll dessen Arm und antwortete mit einem Küsschen auf Philippes Wange.

Viel internationale Presse ist hier in Brüssel an diesem besonderen Tag ebenfalls anwesend und hat einen Blick auf das neue Königspaar geworfen.

Trotz der großen Hitze war der Königsplatz voll jubelnder und fähnchenschwingender Menschen, die solche ausgelassenen Königsfeste ja nicht gewöhnt sind wie in unserem Nachbarland, den Niederlanden, wo der "Koniginnentag" stets ausgiebig gefeiert wird.