Medien sprechen über neuen König und nur noch von ihm

Die Nachrichtenberichterstattungen der französischsprachigen und auch niederländischsprachigen Zeitungen in Belgien überschlagen sich am heutigen Montag förmlich mit Glückwünschen an den neuen König, der einen reibungslosen Start hingelegt hat. Großformatige Fotos von dem neuen König zieren die Titelseiten - ob küssend auf dem Balkon mittags oder küssend auf dem Balkon abends oder winkend vom Balkon mittags oder winkend vom Balkon abends, ob vor der Menge oder lächelnd zwischen den Zuschauern. "Ein König ist geboren!", schreibt die französischsprachige Zeitung DH und "Ein prächtiger Tag" titelt die niederländische Zeitung Het Laatste Nieuws.

Die Medien widmen sich vor allem dem neuen König, der - und da sind sich alle einig - einen neuen Kurs fährt.

Der alte König ist in Rente und der neue entscheidet selbst, was er tut und was nicht. Das zeigte er gestern Abend gegen 22 Uhr als er überraschend noch einmal auf den Balkon trat und dem Volk in einer kurzen aber kräftigen Rede dankte und das "Zusammen" in diesem Land hervorhob.

"Er ist ein entschlossener Fürst", schreibt die niederländischsprachige Zeitung Het Laatste Nieuws.

Und auch der Royalty Watcher von Het Nieuwsblad sieht Philippe voller Vertrauen den Thron besteigen. "An dem Tag, den er sich am meisten herbeigesehnt hatte, haben wir Philippe mit einer Begeisterung gesehen, die neu für ihn ist." "Ein erleichterter Philippe am Ende des Tages auf dem Balkon des Palastes, der seine Frau küsste, wie wir es bei ihm noch nie vorher gesehen haben ."

Auch De Morgen schreibt, dass Philippe ein anderer Mann zu sein scheint. Er habe selbstbewusster als sonst gesprochen und sei lockerer aufgetreten. Er wurde dafür überall mit Applaus belohnt. "Die überraschende Metamorphose sei ihm gegönnt", so De Morgen. "Menschliche Größe hinter Glanz und Glitter. Ein perfekter erster Schultag", schreibt die Zeitung noch.

Und De Standaard weist darauf hin, dass die Vereidigung dieses Mal ohne Zwischenfälle verlaufen sei - ohne "Vive la Republique" - also Zwischenrufe wie das bei seinem Vater, Albert II. der Fall war.

Auch die französischsprachige Presse spart nicht an lobenden Worten für den gestrigen Tag.

"Ein neues Belgien" titelt die Zeitung Le Soir. Und von einem fehlerfreien Start des Königs Philippe spricht auch La Libre Belgique. Und die populäre Zeitung La Dernière Heure fasst zusammen : "Ein König ist geboren !"

Die Finanzzeitungen De Tijd und L’Echo titeln beide in etwa ähnlich, nämlich dass sich die flämische Unternehmerwelt einen König ohne Macht wünsche und Flandern einen rein protokolarischen König haben möchte.

Erste wirkliche Prüfung werden die Wahlen von 2014

Die Kommentare sehen den gestrigen Thronwechsel etwas kritischer. Vor allem die niederländischsprachigen Zeitungen und Webseiten weisen darauf hin, dass zwar der gestrige erste Schultag des neuen Königs vorbildlich gewesen sei, dass jedoch die erste wirkliche Prüfung des neuen Königs noch bevorstehe- nämlich im Mai nächsten Jahres nach den Wahlen.

De Morgen fragt sich : "Was, wenn die Karten Ende Mai 2014 nach den föderalen, den regionalen und den Europawahlen schwieriger liegen als bei den letzten Wahlen ?" Was also, wenn die flämischen Nationalisten von der N-VA einen schallenden Sieg hinlegen ? "Mehr nämlich als die Frage, ob er es kann, stellt sich die Frage, wie der Wähler die Karten legen wird und in welchem Spiel er dann mitspielen müssen wird ?" "Kann und will ein König an einem Regime mitarbeiten, das gegen seine Funktion und das Fortbestehen des Landes ist ?"

Wir machen aus unserer "Diversität einen Trumpf", hörte man sowohl bei Albert als auch bei Philippe am gestrigen Sonntag heraus. "Es schien wie ein Pfeifen im Dunkeln“, schreibt De Standaard. "Indem sie die Segnungen des Föderalismus besungen haben, schienen sie sagen zu wollen: Die Voraussetzungen dafür, dass Flamen und Französischsprachige nun friedsam zusammenleben können, sind gegeben." Mit jeder Bajahung wurde jedoch der Schatten des abwesenden flämischen Nationalisten Bart de Wever etwas größer.“

Het Belang Van Limburg meint, es gebe keinen Grund, um an den intellektuellen Kapazitäten des neuen Königs zu zweifeln. Wenn dieser die Kontouren der Monarchie wie sie in den letzten Jahren durch die Politik festgelegt wurden, akzeptiere, könne er auch der König werden, der das Land jetzt nötig habe.

Liesbeth Van Impe, Chefredakteurin von Het Nieuwsblad, die mit dem ganzen Trubel um de König offenbar nicht viel am Hut hat, hat in einem Brief an den neuen König betont: Sie gönne es ihm, wenn das Land vielleicht doch noch zu dem Schluss komme, dass Philppe es kann. "Der König, der auch ein guter Vater ist. Das ist etwas, was Sie jedenfalls besser als Ihr Vorgänger können. Und das ist doch schon ganz schön etwas."

Einen viel positiveren Blick werfen die französischsprachigen Zeitungen, die traditionell etwas weniger hart in der Kritik mit dem Königshaus sind, in ihren Kommentaren auf den neuen König.

Die französischsprachige Zeitung Le Soir spricht von einer "opération réussie", also einer "gelungenen Operation" des Königs. Zweifelhafte Unstimmigkeiten hätten sich nicht wiederholt. Für die Zeitung hat der neue König den Test schon ohne Problem bestanden. Nur die Balkonszene sei "too much" gewesen. Das belgische Bild erscheine in den Augen derer, die dort waren, noch größer. Le Soir zieht den Hut vor Philippe. Es sei ein taktisch kluger Zug in diesem Nord-Süd-Belgien gewesen, zu sagen, "Ich bin der neue König, eines neuen Belgiens."

Mit dem gestrigen Abend sei man im Lager derer, die wollen, dass Belgien seinen Weg weitergehe, ein Stück weiter gekommen. "Und heute morgen sagt man, das ist immerhin schon das, was geschafft wurde."

La Libre Belgique schreibt über einen wahren Königstag, weist zu guter Letzt jedoch auch ängstlich darauf hin, dass Philippe das Zusammenleben des Nordens und Südens fördern und unterhalten, aber nicht garantieren könne, wenn man das Gegenteil wünsche. "Das Volk und seine Gewählten sind die einzigen Entscheidungsträger unserer Demokratie."