Stirbt der Beruf des Schuhmachers aus?

Wer heute in Flandern oder Brüssel ein paar Schuhe reparieren lassen will, der muss unter Umständen lange nach einem Schuster suchen. Die Zahl der Schuster und Schumacher nimmt in Flandern und in der belgischen Hauptstadt rapide ab. Das flämische Wirtschaftsblatt De Tijd spricht schon von einem „Engpassberuf“.

Innerhalb von nur 10 Jahren ging die Zahl der Schuhmacher in Flandern von einst 344 auf heute 227 Handwerker zurück, wie eine Untersuchung des Infodienstes für Handel und Dienstleistung, Graydon, im Auftrag des flämisch-brüsseler Mittelstandsverbandes Unizo belegt. Schuster sind derzeit noch etwa 800 im Land tätig. Das waren vor einigen Jahren einmal rund 1.200.

Heute können die Bewohner von durchschnittlich fünf flämischen Gemeinden auf gerade einmal zwei Schuhmacherwerkstätten zurückgreifen. Nach Ansicht des Mittelstandsverbandes Unizo liegt dies an der Wegwerfmentalität der Verbraucher, die heute lieber ein billiges Paar Schuhe kaufen und dieses dann nach einer Beschädigung schlicht und einfach entsorgen.

Doch es fällt auf, dass eigentlich mehr Schuster und Schumacher in Flandern ihre Werkstatt schließen, als durch die Flaute eigentlich nötig wäre. Die Schuster, die hier noch arbeiten, können sich vor Aufträgen offenbar kaum noch retten. Deshalb richtete Unizo im vergangenen Jahr auch wieder neue Ausbildungslehrgänge für angehende Schuster und Schumacher ein, unter anderem in Veurne, Tongeren und Lokeren.

Liegt das Handwerk wieder im Trend?

Ende Juni haben die ersten ausgebildeten Schustergesellen ihren Abschluss gemacht und alle haben offenbar schnell eine Anstellung gefunden. Zu hoffen bleibt jetzt, dass sich der eine oder andere von ihnen dazu entschließt, seinen Meister zu machen und eine der in den vergangenen 10 Jahren geschlossenen Betriebe wieder eröffnet.

Unizo will den Schustern und Schuhmachern in Brüssel und Flandern unter die Arme greifen und nicht nur diesem Handwerk, dass schon fast ausstirbt. Der Mittelstandsverband will ein neues Label gründen, um zu zeigen, dass das Handwerk auch hier eine Zukunft hat.

Mit dem Logo HIB, was für „Handmade in Belgium“ steht, sollen handwerklich angefertigte Qualitätsprodukte auf den Markt gebracht und beworben werden. Bei Unizo heißt es dazu: „Derartige Produkte machen heute den Unterschied für den modernen Konsumenten aus? Handwerksberufe sind wieder hip. Sie verdienen dann auch die entsprechende Ausstrahlung und Anerkennung.“