Ausländische Ärzte: Nur eine Landesprache nötig

Nach einer bald in Kraft tretenden Richtlinie der Europäischen Union müssen ausländische Ärzte, die sich in einem anderen EU-Land niederlassen, nur eine Landessprache sprechen, um dort zugelassen zu werden. Die EU-Behörden haben dabei offenbar das dreisprachige Belgien und die zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt vergessen.

Das neue EU-Richtlinie zur Niederlassung von ausländischen Ärzten in einem anderen Mitgliedsstaat der Union verfolgt das noble Ziel des freien Verkehrs von Personen in Europa. Dieses Recht ist den europäischen Gesetzgebern offenbar wichtiger als das Recht von Patienten, in ihrer Sprache behandelt zu werden.

Nach Ansicht von Mark Demesmaeker (kleines Foto), Europaabgeordneter der flämischen Nationaldemokraten der N-VA, drohen dadurch Probleme für flämische Patienten vor allem in und um der zweisprachigen belgischen und europäischen Hauptstadt Brüssel, die dadurch wohl mehr und mehr von Französisch sprechenden Ärzten behandelt werden, was schon jetzt ein Problem für die Betroffenen darstellt.

Demesmaeker will denn auch diesbezüglich einen Änderungsantrag im EU-Parlament stellen: „Die Richtlinie, so wie sie jetzt vorliegt, richtet sich an jemanden aus einem anderen EU-Land, der im Pflegebereich arbeitet und sich in Belgien niederlassen will.“ Der N-VA-Politiker hält die geplante Richtlinie sogar für gerechtfertigt. Nur trage sie mit der Aufteilung Belgiens in verschiedene Sprachgebiete nicht Rechnung.

Ein Mediziner aus Rumänien, der gut französisch spricht und sich in Belgien in einem Krankenhaus anstellen lassen will oder der eine Praxis hier eröffnen möchte, der kann sich auch in Flandern oder im flämischen Rand um Brüssel herum niederlassen, weil Französisch eine der Landessprachen in Belgien ist – auch wenn in diesen Regionen Niederländisch die offizielle Amts- und die geläufige und gesprochene Muttersprache ist.

BELGA/VERGULT

Dramatische Folgen

Der Europaabgeordnete will den Vorgang im Plenum des EU-Parlaments zur Sprache bringen.

Gerade im Pflege- und Gesundheitsbereich sei eine problemlose Kommunikation zwischen Patienten und Pflegern oder Ärzten unter Umständen lebenswichtig, so Demesmaeker.

Dies müssten flämische Patienten in und um Brüssel herum heute leider am eigenen Leib erfahren - mit allen dramatischen Folgen davon, wie der N-VA-Politiker unterstreicht.