Betrug mit Krankenkassen

"Krankenkassenärzte lassen sich durch Patienten belügen, die nur so tun als ob sie arbeitsunfähig seien. Die Lösung ist, dass die Ärzte anders vorgehen", sagt Rufij Baeke von der Gewerkschaft flämischer Hausärzte am Dienstag in der Zeitung De Standaard und Het Nieuwsblad.

"Ich bin davon überzeugt, dass es Menschen gibt, die nur so tun, als ob sie krank sind, weil sie nicht mehr arbeiten wollen oder können. Ich merke das eindeutig in der Praxis. Und die Krankenkassenärzte, die herausfinden müssen, ob die Menschen wirklich arbeitsunfähig sind, lassen sich von ihnen belügen. Die Ärzte geben ihr bestes, können aber kein richtiges Urteil abgeben, denn sie gehen bei ihrer Arbeit falsch vor."

Sie sammeln Unterlagen - Briefe von Haushärzten, Berichte vom Spezialisten - und fallen dann darauf herein, dass ein Patient krank ist. Das kostet die Krankenversicherung viel Geld", sagt Baeke.

"Ich bin selbst Arzt einer Krankenkasse gewesen und habe mich auch belügen lassen", so Baeke. "Es gibt Patienten, die sehr schlau vorgehen. Sie wollen nicht mehr arbeiten, suchen zum Beispiel im Internet, was Symptome von zum Beispiel Depression sind und können gut simulieren."

"Krankenkassenärzte sollten bei der Beurteilung einer Krankenakte den Hausarzt oder den Facharzt kontaktieren müssen. Ein Hausarzt kennt seinen Patienten. Wenn ein Patient eine Krankheit vortäuscht, darf ich ihm nach 40-jähriger Erfahrung wohl sagen, dass ich ihm nicht glaube."

Auch Krankenkassen-Chefs sind am Missbrauch mit schuld, findet Baeke. "Insbesondere die sozialistische Krankenkasse ist bei Missbrauch extrem tolerant. Ärzte aller Krankenkassen bekommen aber auch schon Mal zu hören, dass sie nicht zu streng sein dürfen. Wer nämlich von seiner Krankenkasse verpflichtet wird, wieder zu arbeiten, könnte ja die Krankenkasse wechseln."

Patientenvereinigung widerspricht flämischer Ärztegewerkschaft

Das flämische Patientenforum, das 90 Patientenvereinigungen gruppiert, widerspricht den Äußerungen der flämischen Ärztegewerkschaft.

"Es muss in der Tat viel mehr Zusammenarbeit statt finden, aber ich halte die Äußerungen der Ärztegewerkschaft für einen Hohn an den Menschen, die chronisch krank sind und die arbeiten wollen. Wir stellen jeden Tag im flämischen Patientenforum fest, dass Menschen, die chronisch krank sind, arbeiten wollen, wenn sie nur könnten. Wir stellen jedoch auch fest, dass das System es kaum zulässt, Menschen arbeiten zu lassen."

"Es gibt aber auch noch etwas Gutes und das heißt zugelassene Arbeit, bei der man Lohn und Beihilfen kombinieren kann. Nur sehr wenige Menschen werden jedoch über diese Möglichkeit informiert. Auch Ärzte informieren u.a. zu wenig darüber. "

Krank werden in Belgien

In Belgien herrscht Versicherungspflicht. Jeder muss sich dem System der Sozialsicherheit anschließen. Damit hat die Person ein Anrecht auf unter anderem Altersrente, Familienbeihilfe, Arbeitslosengeld, Kranken- oder Invalidengeld.

Arbeitnehmer und gleichberechtigte Gruppen sind aufgrund ihres Sozialstatus sozialversichert. Sie bezahlen gemeinsam einen Beitrag für alle Sozialversicherungsbereiche. Diejenigen, die nicht unter die beiden Gruppen fallen, zahlen Beiträge allein für die Absicherung im Krankheitsfall. Geringverdiener sind beitragsfrei versichert.

Neben der Pflichtversicherung, also der Sozialversicherung, die nur einen Teil der Gesundheitskosten übernimmt, sind die Belgier in der Regel auch bei einer belgischen Krankenversicherung, der "Mutuelle", angeschlossen. Sie ist optional. Man kann hierzulande zwischen vielen Krankenkassen wählen: Zum Beispiel Betriebskrankenkassen, christliche, liberale, sozialistische und neutrale Kassen.

Daneben kann man noch eine freiwillige Zusatz-Krankenversicherungen abschließen. Je nach Umfang der zusätzlich abgeschlossenen Versicherung hat man weniger Eigenanteil an Behandlungs- und Medikamentenkosten.

Die belgische Krankenversicherung, also "Mutuelle", kostet viel weniger als die deutsche. Allerdings gibt es in Belgien das Kostenerstattungsprinzip. Wird man krank, muss man das Geld für Untersuchungen vorstrecken und sich das Geld bei der Mutuelle wieder zurückholen. Außerdem trägt der Patient eine Eigenbeteiligung an den Behandlungskosten, die in der Regel nicht zurückerstattet wird.