Akademiker-Petition gegen hohen Druck an den Unis

Eine Gruppe von jungen Akademikern der flämischen Universitäten von Gent, Antwerpen und Löwen haben eine Online-Petition auf den Weg gebracht, in der sie sich gegen den zunehmenden Arbeits- und Wettbewerbsdruck an den Instituten äußern. Der Fokus der akademischen Welt auf Quantität lasse die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit immer mehr außer Acht.

Die „Aktionsgruppe für eine Reform des Hochschulwesens“ gibt in einem offenen Brief zu erkennen, dass der Arbeitsdruck sowohl auf die Professoren, als auch auf die Studenten und die jungen Wissenschaftler inzwischen unhaltbar sei: „Der einseitige Fokus auf Quantität zum Nachteil der Qualität nimmt inzwischen absurde Proportionen an. Früher waren Publikationen ein Mittel um Forschung zu kommunizieren. Heute sind sie zu einem Ziel an sich geworden.“

Alle dies betreffende Klagen von Einzelpersonen seien bisher auf taube Ohren gestoßen und es habe sich nichts verändert, heißt es weiter in dem offenen Brief der Akademiker: „Der Wettbewerbsdruck, die Bürokratisierung und der Fokus auf Quantität nehmen weiter zu.“ Nach Ansicht der Initiatoren der Petition führe dies dazu, dass Wissenschaftler ihre Arbeit immer mehr über Umwege durchführen, wodurch es sogar zu „regelrechtem Forschungsbetrug“ komme. Damit zielen die Initiatoren auf jüngste Fälle von gefälschten Forschungsergebnissen, über die selbst renommierte Wissenschaftler gestolpert seien.

Die größten Probleme erfährt bei dieser Entwicklung offenbar der Akademikernachwuchs – junge Wissenschaftler, die oft nur mit zeitlich begrenzten Verträgen an den Unis arbeiten. Diese versuchen demnach unter Hochdruck Forschung zu betreiben und die Ergebnisse schnellsten zu veröffentlichen, um so eine Festanstellung an ihrer Universität erreichen zu können. Hinzu kommt ein enormer Konkurrenzdruck zwischen den einzelnen Jungakademikern. Dies, so die „Aktionsgruppe für eine Reform des Hochschulwesens“, sei sinnlos und stünde ihrem Ruf als Wissenschaftler eher im Wege, als dass es ihnen Nutzen bringen würde.

Reformvorschläge

Die „Aktionsgruppe für eine Reform des Hochschulwesens“ macht der politischen und akademischen Welt im belgischen Bundesland Flandern angesichts der anstehenden Arbeit an einem neuen Finanzierungsdekret für das Hochschulwesen drei Vorschläge zur Reform:

Erstens wird eine gründliche Reform der Kriterien für das Aufstellen des Finanzierungsdekrets empfohlen. Dabei soll die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen bei der Bezuschussung von Universitäten nicht mehr im gleichen Maße ins Gewicht fallen, als dies bisher der Fall ist.

Zweitens sollen die befugten Instanzen (die Universitäten, das Landesbildungs-Ministerium) dem akademischen Nachwuchs mehr Aufmerksamkeit zuwenden, damit diese ihre Platz im Hochschul- und Universitätswesen in Flandern finden können.

Drittens ruft die Aktionsgruppe Universitäten und Hochschulen dazu auf, ihre Laufbahnpolitik aufzuwerten und ihre Ausbildungsangebote zu erweitern: „Wir dürfen sie (die jungen Akademiker) nicht dazu zwingen, überqualifizierte Publikationsproduzenten zu werden.“

Die Petition der „Aktionsgruppe für eine Reform des Hochschulwesens“ wurde bereits von rund 150 namhaften Akademikern, Wissenschaftlern und Professoren aus allen Bereichen, sowie von mehreren hohen Universitätsfunktionären unterzeichnet. Insgesamt unterzeichneten bis Mittwoch bereits etwa 1.500 Personen die Petition.