Diskussion um Spitzengehälter: Wie hoch soll Obergrenze sein?

Nachdem der Spitzenmanager von Bpost,Johnny Thijs, letzte Woche damit drohte, dass er Bpost verlasse, wenn sein Lohn auf 290.000 Euro im Jahr gedrosselt werde, melden sich auch die Gewerkschaften bei der Diskussion um Spitzengehälter in unserem Land zu Wort. Für den Vorsitzenden der sozialistischen Gewerkschaft, Rudy De Leeuw (Foto), sollte die Lohngrenze für Spitzenmanager in Staatsbetrieben 290.000 Euro im Jahr nicht übersteigen. Das sagte er in der Zeitung De Morgen. Thijs verdient zur Zeit rund 1,1 Millionen Euro im Jahr.

Derzeit arbeitet die Regierung an einem Vorschlag für eine Lohnobergrenze für Spitzenmanager von Staatsunternehmen in unserem Land. Nächste Woche wird diese Frage auf dem Tisch der Regierung-Di Rupo liegen.

Die sozialistischen Parteien in der Regierung drängen auf so eine Obergrenze wie sie jetzt für den Posten von Thijs im Gespräch ist. Die liberalen Parteien haben jedoch Verständnis für Thijs, der mit einem Viertel seines Lohns unzufrieden wäre. Vizepremier Alexander De Croo von der Open VLD hält es für sinnvoll, die Grenze ein Stück weit höher anzusetzen. Er argumentiert zum Beispiel: Wenn man Spitzenmanager wolle, müsse man sie auch gut bezahlen. Das sagte er letzte Woche in De Standaard.

"Wir müssen uns etwas Flexibilität bewahren, um gute Menschen zu bekommen, die Außergewöhnliches leisten müssen. Bpost zu modernisieren, ist keine alltägliche Aufgabe", so De Croo.

Der Vorsitzende der sozialstischen Gewerkschaft ABVV, De Leeuw, hält jedoch schon die gesamte Lohndiskussion für eine "Verachtung des Bürgers". "Anscheinend kann Belgien sich nicht von der Grapsch-Kultur distanzieren. Die Bankenkrise war vor fünf Jahren und langsam wird wieder alles möglich."

Der Vorsitzende der sozialistischen Gewerkschaft wird deutlich: "Wenn die grundsätzliche Grenze von 290.000 Euro überschritten wird, braucht man nicht mehr zu uns kommen und über Verzicht auf Lohnerhöhung sprechen."

"Höchstens das siebenfache"

Auch die christliche Gewerkschaft ACV hat Schwierigkeiten mit einer höheren Grenze. "Die Spitzenlöhne sind nicht erklärbar, obwohl das einige versuchen", so der Vorsitzende Marc Leemans in der Zeitung De Morgen.

"Eine Lohn-Spannweite von 1 zu 7 (der Unterschied zwischen dem Lohn eines durchschnittlichen Arbeitnehmers und dem CEO, Red.!) ist für die ACV die absolute Höchstgrenze."