Voerens Bürgermeister verärgert über Pamphlet der Französischsprachigen

Anlässlich der 50-Jahrfeiern nächstes Wochenende in der Gemeinde Voeren, die 1963 mit der per Gesetz festgelegten Sprachgrenze als Exklave der niederländischen Provinz Limburg zugesprochen wurde, hat die französischsprachige Gruppierungen RAL und Action Fouronnaise Pamphlete in der Bevölkerung verteilt. Darin wird nicht nur von Provokation an den Französischsprachigen gesprochen, sondern auch ein Vergleich zum kommunistischen China gezogen, das Tibet annektiert hat. Der Bürgermeister von Voeren, Huub Broers (Foto) von den flämischen Nationalisten N-VA, ist verärgert. Er bezeichnet den Vergleich mit den chinesischen Diktatoren als "aggressiv, brutal und ungehobelt".

Am 1. September 2013 ist es 50 Jahre her, dass die sechs Dörfer der Gemeinde Voeren von der Provinz Lüttich in die Provinz Limburg übergingen. Das war die Folge der gesetzlichen Festlegung der Sprachgrenze 1963 in Belgien.

Bis zur Gründung Belgiens 1830 sprachen die Voerener Platt, das heißt Limburgisch. 1830 wurden die Voerener jedoch der Provinz Lüttich zugeteilt: Offizielle Amtssprache war damit Französisch. Im Laufe der folgenden Jahre bildete sich eine Sprachverteilung von 60 Prozent französischsprachigen und 40 Prozent niederländischsprachigen Einwohnern heraus. Die meisten Bewohner von Voeren sprachen aber gleichzeitig auch noch den örtlichen Dialekt.

Mit der Festlegung der Sprachgrenze am 1. September 1963, bei der Voeren als Exklave der niederländischen Provinz Limburg zugesprochen wurde, wurden die historischen Sprachgewohnheiten berücksichtigt. Um das zu feiern, finden vom Samstag, 31. August, bis Mittwoch, 3. September, mehrere Veranstaltungen in der Gemeinde statt. Darunter ist auch eine akademische Diskussionsrunde mit als Gastrednern dem flämischen Minister Geert Bourgeois und Limburgs Gouverneur Herman Reynders. Ein kostenloses Frühstück wird organisiert sowie ein Frühschoppen, eine Kirmes, eine Ausstellung, musikalische Einlagen mit Fahnenparade und ein Konzert von Raymond van het Groenewoud.

Obwohl sie bereits zuvor hatten wissen lassen, dass sie nicht erscheinen würden, wurden die französischsprachigen Gemeinderatsmitglieder zum Fest eingeladen. Sie lehnen die Einladung jedoch formell ab und haben in der Bevölkerung ein Pamphlet verteilt, in dem sie von einer "Annektierung von Voeren durch Flandern" sprechen und von Festen, die die Französischsprachigen provozierten. Sie vergleichen das sogar mit dem kommunistischen China, das Tibet annektiert hat.

Der Flame Huub Broers, der seit dem Jahr 2000 Bürgermeister von Voeren ist, hat am Donnerstag reagiert. "Nicht nur die Flamen und ich selbst halten diese Reaktion für total unangebracht, sondern auch viele französischsprachigen Einwohner von Voeren. Sie sind geschockt über diese ungehobelte Mitteilung", so Broers, der übrigens auch Fraktionsführer der flämischen Nationalisten N-VA im Senat ist. "Dass sie nicht zum Fest kommen wollen, ist ihre Sache. Ein derartiger Seitenhieb ist jedoch einfach anstandslos. Ich habe schon ein Dutzend verärgerte Reaktionen darauf bekommen. Ich bin mir sicher: Wären morgen Wahlen, diese Parteien würden kaum noch Stimmen bekommen", so Broers.