Vergewaltigungsopfer ermutigt zur Anzeige

Céline Camps wurde vor vier Jahren vergewaltigt. Am Montag ist der Täter vor Gericht gebracht worden. In der VRT-Talkshow "Reyers laat" erzählt sie ihre Geschichte. Sie will damit andere Opfer moralisch stützen und ermutigen, Anzeige zu erstatten. Aus Studien geht nämlich hervor, dass 9 von 10 Vergewaltigungsopfern keine Anzeige erstatten. Frauen, die sich letztlich doch dazu entscheiden, würden häufig immer noch nicht ernst genommen. Camps will, dass die Opfer mit mehr Respekt, sowohl von den Polizisten als auch von ihrer eigenen Umgebung, behandelt werden.

Camps konnte immer ehrlich über dieses schreckliche Geschehen in ihrem Leben sprechen. "Es muss eine fürchterliche Last für all diese Menschen sein, die nie darüber gesprochen haben."

Am Montag hat Camps dem, der sie vergewaltigt hat, gegenüber gestanden. Der Mann war vor vier Jahren gewaltsam in ihr Haus eingedrungen. Dank der Konfrontation im Gericht, könne sie die Sache jetzt endlich ruhen lassen.

"Wenn so etwas passiert, stellt man sich eine Art Monster vor. Man hat die Person nur einmal gesehen und zwar nachts unter den schrecklichsten Umständen. Danach verschwindet er und es bleibt nur die Erinnerung im Kopf. Indem man der Person direkt in die Augen sieht, habe ich daraus wieder einen Menschen machen können. Daduch habe ich auch keine Hassgefühle mehr und ich kann das Ganze ruhen lassen."

Nach der Vergewaltigung hatte Camps den Reflex, das Ganze nicht einfach herunterzuschlucken und unter der Dusche wegzuspülen. "Ich habe eine Freundin angerufen und sie ist mit mir ins Krankenhaus gegangen. Dort wurde eine Probe genommen", so Camps. "Naiv wie man ist, denkt man dann sie haben eine Probe, sie werden ihn finden und das geht alles ganz schnell. Das stimmt aber nicht. Mit vielen Proben wird nichts gemacht."

Camps kämpft deshalb dafür, dass das Problem der Vergewaltigungen ernst genommen wird. "Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft versuchen, eine gemeinsame Lösung hierfür zu finden. Es ist ein komplexes, schwieriges und weit verbreitetes Problem. Man muss also auf verschiedenen Ebenen dagegen vorgehen."

Die junge Frau erzählt auch, dass sie die Entschuldigung des Täters angenommen habe."In gewisserweise schon, auch wenn sie nicht aufrichtig war. Einfach nur für mein eigenes Wohl. Ich will den Rest meines Lebens nicht mit Rachegefühlen herumlaufen. Damit würde ich ihm noch viel zu viel Anteil in meinem Leben zugestehen."

Serienvergewaltiger steht vor Gericht

In Brüssel hat am Montag der Prozess gegen einen Serienvergewaltiger (24) begonnen. Der Mann ist wegen vier Vergewaltigunen angeklagt.

Eines der Opfer war kaum 12 Jahre jung. Der Mann sitzt bereits wegen ähnlichen Vergehen im Gefängnis.

Er hatte sich - oft minderjährige - Opfer in der U-Bahnstation Beekkant in Sint-Jans-Molenbeek gesucht und sie gezwungen mit ihm in eine Parkplatzbox in der Nähe zu gehen.

2009 ist er erstmals wegen Vergewaltigung eines Mädchens festgenommen, aber nach wenigen Monaten wieder freigelassen worden. Danach hat er erneut zugeschlagen. Schließlich ist er 2010 wegen 6 Vergewaltigunen und einer versuchten Vergewaltigung zu einer Gefängnisstrafe von 10 Jahren verurteilt worden. Der Mann ist noch immer im Gefängnis.

Die Taten, für die er sich jetzt verantworten muss, waren von vor dieser ersten Verurteilung. Aufgrund einer DNA-Analyse konnte jetzt eine Verbindung zwischen ihm und früheren Vergewaltigungen hergestellt werden.