Endlose Soap um Alberts uneheliche Tochter

Nach der Klage von Delphine Boël gegen Ex-König Albert, die noch immer um die Anerkennung durch ihren Vater kämpft, folgte am Dienstagabend ein TV-Gespräch mit dessen ehemaliger Geliebter, Baronesse Sybille de Selys Longchamps, im flämischen Privatsender VIER. Am Mittwoch beschäftigen sich auch Belgiens Tageszeitungen mit dieser endlosen Soap.

Alberts ehemalige Geliebte, Sybille de Selys Longchamps, die Mutter von Delphine Boël, stellte sich Anfang Juli dieses Jahres den Fragen des flämischen Dokumentarfilmers Eric Goens, der für den Privatsender VIER arbeitet.

Die Baronesse stellte nur eine Bedingung: Das Gespräch durfte nur gesendet werden, wenn Albert nicht mehr König von Belgien ist. Nach dessen Abdankung zu Gunsten seines Sohnes, des neuen Königs Philippe, wurde das Gespräch nun gesendet.

Darin sparte Sybille de Selys Longchamps nicht mit Kritik an ihrem früheren Geliebten, an dessen Ehefrau Paola und an den drei Kindern der beiden. Sie warf Paola zum Beispiel vor, sie habe im Laufe der Krise ihrer Ehe mit Albert ihre Kinder vernachlässigt und vor allem ihre beiden Söhne schlecht behandelt.

Dies habe die Verbindung Alberts zu seinem Sohn, dem Thronfolger Prinz Philippe, zerstört: „Wenn ich Philippe in die Augen sehe, allerdings hat er das mittlerweile besser unter Kontrolle, dann habe ich den Eindruck, dass ich eine Form von Autismus sehe. Er lebt in einer Luftblase. Er hat Kommunikationsprobleme, was auch eine Form von Autismus ist.“

Der zweite Teil des TV-Gesprächs mit Sybille de Selys Longchamps sendet VIER in der kommenden Woche aus.

"Albert hat diese Affäre völlig falsch eingeschätzt"

Dies und die erneute Klage gegen den zurückgetretenen belgischen Monarchen von seiner vermeintlichen Tochter Delphine Boël, die er partout nicht anerkennen will, beschäftigt die belgische Tagespresse in den Mittwochsausgaben. In einer Feststellung sind sich alle einig. Albert habe die Sache völlig falsch eingeschätzt und nur er alleine könne daran noch etwas ändern.

Het Nieuwsblad und De Standaard sind sich einig in der Feststellung, dass Albert schon vor 10 Jahren hätte reagieren können, als die Meldung öffentlich wurde, dass er eine uneheliche Tochter habe. Beide Blätter sind sich einig, dass er Delphine Boël hätte anerkennen könne, denn mehr habe sie nicht gewollt. Sie forderte weder Geld, noch den Namen, sondern einfach nur Anerkennung. Dass die Ehe zwischen ihm und Paola kriselte und dass er viele Jahre lang eine Geliebte hatte, waren damals schon offene Geheimnisse, so Het Nieuwsblad und De Standaard.

Het Nieuwsblad hält übrigens nichts vom TV-Gespräch mit Sybille de Selys Longchamps bei VIER: „Als the other woman die Ehefrau ihres Ex-Geliebten angreifen, zeugt nicht unbedingt von Klasse“. Für Gazet Van Antwerpen“ sind die Aussagen von der Baronesse schlichtweg „jämmerlich, beschämend, kränkend und vor allem eine peinliche Vorstellung“. Doch auch Gazet ist der Ansicht, dass dies in erster Linie auf die sture Haltung von Albert gegenüber Delphine zurückzuführen sei.

Auch bei De Morgen ist man der Ansicht, dass Albert reagieren müsse: „Durch sie totzuschweigen, verschwindet sie nicht. Ganz im Gegenteil. Jeder ist mittlerweile auf der Höhe ihrer Präsenz. Die Strategie Alberts, diesen Fall juristisch anzugehen, ist eine Sache. Doch der eigentliche Anlass des Vorgangs ist nicht juristisch: Ein Kind hat ein moralisches Recht durch seinen Vater anerkannt zu werden.“

Die frankophone Zeitung La Dernière Heure stellt dazu einige Fragen: Ist Albert II. nicht gerade dabei, all die Sympathie zu verspielen, die er während seiner zwanzig Jahre Regentschaft erworben hat? Macht er sich dazu Gedanken? Das Bild des Königs, der die Belgier mit seinem Humor, seiner Gutmütigkeit und seiner Fähigkeit beindruckt hat, die politischen Konflikte im Land zu lösen, ist in Gefahr. Es könnte vom Bild eines Mannes übertönt werden, der nicht zu seiner unehelichen Tochter steht.