Zwei nationale Sportstadien in Brüssel?

Die Diskussionen über ein neues nationales Fußballstadion in Brüssel sind steckengeblieben. Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V) will vorerst kein Prinzipabkommen unterzeichnen, solange keine Lösung für das Memorial Van Damme vorliegt. Und da gehen die Meinungen weit auseinander. Was brauchen wir? Ein Fußballstadion? Ein multifunktionales Sportstadion? Oder gar zwei Stadien?

Das ein neues Stadion als Ersatz für das veraltete König Baudouin-Stadion am Heizel (Foto oben) gebaut werden soll, ist abgesprochen. Das Projekt soll an der Grenze zwischen der Region Brüssel-Hauptstadt am Heizel und der Provinz Flämisch-Brabant bei Grimbergen entstehen. Das ist auch schon klar. Doch wie dieses Stadion aussehen soll, bzw. welchen Zweck es erfüllen soll, bleibt ein Streitpunkt.

Belgiens Rekordmeister RSC Anderlecht und der belgische Fußballverband KBVB, die beide dieses Stadion nutzen sollen, sind sich einig: Das neue Stadion soll ausschließlich ein Fußballstadion sein. Von Tartanbahnen für Athletikwettbewerbe wollen die Kicker nichts wissen.

Doch von Anfang an stand die Frage im Raum, wo denn bitteschön Sportveranstaltungen, wie das Leichtathletik-Meeting Memorial Van Damme, das nicht zuletzt ein Teil der Golden League ist, durchgeführt werden. Oder eventuell in Belgien ausgetragene Athletik-Welt- oder Europameisterschaften?

Diese Frage spaltet die Beteiligten. Am Dienstag haben sich die Landeschefs der beteiligten Regionen, Premierminister Elio Di Rupo (PS) und einige führende Sportfunktionäre in einer geheimen Sitzung in Brüssel getroffen, doch hier herrschte ebenfalls Uneinigkeit. Memorial-Veranstalter Wilfried Meert und Brüssels regionaler Ministerpräsident Rudy Vervoort (PS) plädieren für eine Lösung mit zwei Stadien - eines für den Fußball und eines für die Leichtathletik. Anderlecht und der belgische Fußballverband sind nur am Fußball in einem entsprechenden Stadion interessiert und hoffen dabei auch Gastland für eine EM (2020?) oder gar eine WM sein zu können.

Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V) wollte am Dienstag, ein prinzipielles Abkommen zum Stadionbau noch nicht unterzeichnen. Er wolle den Vorgang nicht blockieren, aber bevor nicht eine Lösung für das Memorial Van Damme und eine solide Finanzierung gefunden wird, könne er seine Zustimmung nicht geben. Die Kosten für den Bau eines neuen Stadions bei Grimbergen werden mit etwa 300 Mio. € beziffert. Ein zusätzliches Sportstadion würde noch einmal bis zu 40 Mio. € kosten, wie die flämische Tageszeitung De Morgen und das Brüsseler Online-Stadtmagazin brusselnieuws.be melden.

Bis März 2014 soll eine definitive Machbarkeitsstudie vorliegen, deren Ergebnis auch der UEFA vorgelegt wird. Mit Bauarbeiten, so sieht der Plan vor, könnte ab Januar 2016 begonnen werden. Im Mai 2018 hofft man ein bahnbrechendes Stadion in Brüssel bespielen zu können. Dazu braucht es aber ein Abkommen. Wann und in welcher Form dieses vorliegen kann, steht noch in den Sternen geschrieben. Für die EM 2020 muss allerdings die Bewerbung schon bis zum 12. September 2013 bei der UEFA eingereicht werden.