Belgacom wurde abgehört

Abhörskandal bei Belgacom: Das belgische Telekomunternehmen Belgacom hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Belgacom war 2 Jahre lang das Opfer einer "internationalen und staatlich geförderten Cyberspionage". Das hat die Föderalpolizei am Dienstag mitgeteilt, nachdem das Unternehmen den Hackerangriff selbst am Montag vor Börsenbeginn bekannt machte.
BELGA/WAEM

Nach den Enthüllungen im Abhörskandal des US-Geheimdienstes NSA hatte Belgacom Experten aus den Niederlanden beauftragt, seine internen Systeme zu durchleuchten. Das Ergebnis: Die Experten sind auf einen Virus gestoßen, mit dem in der Kommunikationsinfrastruktur von Belgacom abgehört werden konnte.

Verschiedene Medien hierzulande melden, dass sich die Hacker schon seit 2011 bei Belgacom zu schaffen gemacht haben sollen. Alles würde darauf hinweisen, dass dies die Arbeit des US-Geheimdienstes NSA gewesen sei.

Belgacom bestätigt in der Pressemitteilung, dass es Opfer eines digitalen Einbruchs geworden sei und deshalb Anzeige erstattet habe. Die belgische Staatsanwaltschaft könne bei den Ermittlungen mit der vollen Unterstützung von Belgacom rechnen, heißt es noch.

Belgacom betont auch noch, dass es am vergangenen Wochenende das System erfolgreich gereinigt habe und dass dies Teil eines Aktionsplans zur Sicherheit seiner Kunden und deren Daten sei.

Im Pressebericht sagt Belgacom zwar, dass Experten bei Kontrollen Spuren digitalen Einbruchs gefunden hätten, allerdings beschuldigt das Unternehmen keine einzige Organisation oder Einrichtung. Es sei voreilig, jetzt schon Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, wer hinter den Attacken stecke, so der Belgacomsprecher Jan Margot im VRT-Radio.

Dass die Hacker vor allem an Aktivitäten von Bincs (dem Tochterunternehmen von Belgacom, das den Telefonverkehr weltweit regelt und wichtigster Telekomprovider in Afrika und dem Nahen Osten ist) interessiert gewesen seien - wie das einige Zeitungen berichten - lässt der Sprecher offen. "Die Attacke richtete sich gegen das interne Computersystem der Belgacomgruppe. Darunter fallen alle Filialen. Wir haben keine Hinweise darauf, dass nur Bincs das Ziel war. Die Softeware ist inzwischen gereinigt. An den Kundenbeständen wurde nicht gerüttelt."

Es seien Maßnahmen genommen worden, um die Integrität des Computersystems zu schützen, so Margot noch.

"Endlich Cyber Security-Strategie umsetzen"

Unterdessen versuchen nun auch andere Telefonanbieter herauszufinden, ob ihre Systeme gehackt wurden.

Und aus Politikkreisen ist zu hören, dass die Regierung endlich dringend die am 21. Dezember 2012 vom Ministerrat verabschiedete Cyber Security-Strategie umsetzen müsse und die Unternehmen bezüglich Industriespionage zu sensibilisieren seien.

Das Virus sei Anfang Juli durch Belgacom endeckt worden. Der CEO von Belgacom erklärte auf einer Pressekonferenz am heutigen Montag, dass es nicht die Aufgabe Belgacoms sei, die Regierung darüber zu informieren. Belgacom sei jedoch seit August 2012 mit dem neuen Artikel 114/1 des Gesetzes vom 13. Juni  2005 verpflichtet, den Behörden und seinen Abonnenten jegliche Sicherheits-Zwischenfälle zu melden. Die Regierung müsse deshalb prüfen, ob Belgacom alle Regeln genau befolgt habe, so Deseyn noch.

Und die französischsprachigen Grünen wollen gar, dass Premier Elio Di Rupo den Botschafter der Vereinigten Staaten zu sich bestellt.

Wenn sich die Verdächtigungen der Cyber-Spionage bestätigten, so wiederum Belgiens Premier am Morgen in einem Bericht, würde die Regierung geeignete Schritte unternehmen.

Die zuständigen Dienste, unter anderem die Polizei und Staatsanwaltschaft, würden der Angelegenheit im Detail nachgehen, heißt es noch von Seiten der Regierung.