Belgische Bahn verlangt 40 Mio. € Schadensersatz von Fyra-Bauer

Die belgische Bahn NMBS will über 27 Millionen Euro an Schadensersatz von der italienischen AnsaldoBreda, dem Produzenten des Fyra-Hochgeschwindigkeitszugs. Diese Schadensersatzforderung wurde zusätzlich zu der zuvor festgelegten vertragsgebundenen Strafe in Höhe von 12,7 Millionen Euro für verspätete Lieferungsleistungen gestellt. "Die Gesamtforderungen betragen also rund 40 Millionen Euro", so die NMBS in einem Pressebericht.

Die Forderung von rund 27 Millionen Euro soll den erlittenen Schaden für die Nichtlieferung von V250-Waggons für den internationalen Hochgeschwindigkeitszug Fyra ausgleichen, heißt es von Seiten der Bahn. Der Schaden betreffe sowohl den direkten als auch indirekten materiellen Schaden. Der direkte Schaden bezieht sich auf Materialkosten, Unterhaltskosten und Kosten für Marketing, Catering und Personal. Der indirekte materielle Schaden bezieht sich auf die entgangene Marge für die Nichtlieferung von den V250-Zügen und die Verzugszinsen auf bezahlte Vorschüsse.

Am gestrigen Mittwoch hatte die NMBS eine Forderung auf Schadensersatz beim Utrechter Gericht eingereicht.

Der NMBS-Chef Mark Descheemaker erklärte am Donnerstag gegenüber dem VRT-Radio, dass in dem Gesamtbetrag von 40 Millionen Euro verschiedene Elemente direkter Kosten, die die NMBS im Rahmen dieses Vertrages habe machen müssen sowie Verzugszinsen auf die großen Vorschüsse, die die NMBS vorab bezahlt habe, enthalten seien. In den 40 Millionen Euro seien außerdem die vertraglich vorgesehenen Bußgeldzahlungen für verspätete Lieferungen und die vielen Jahre der Vertragsverspätungen mit inbegriffen.

Auf die Frage, wie lange der Prozess dauern könne, antwortete der NMBS-Chef, dass er mit 2 à 3 Jahren rechne.

Der Fyra wurde erstmals Beginn Dezember auf der Strecke zwischen Brüssel und Amsterdam eingesetzt. Aufgrund von immer wieder auftretenden Mängeln wurden die Züge Mitte Januar wieder von den Schienen geholt. Am 3. Juni annullierte die NMBS die Bestellung von drei Fyra-Schnellzügen bei AnsaldoBreda.

Nach einem Gerichtsprozess wurden der belgischen Bahn zuvor bereits 37 Millionen Euro zurückerstattet, die sie in Form von Vorschüssen für den Bau und die Lieferung der drei bestellten Fyra-Züge bezahlt hatte. Diese Vorschüsse waren durch Bankgarantien gedeckt. Die niederländische Bank ING musste also der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB die 37 Mio. € an Bankgarantien zurückerstatten. Die ING hatte der belgischen Bahn Garantien für die insgesamt 12 Vorschusszahlungen an den italienischen Hersteller AnsaldoBreda für den Bau der Pannenzüge vom Typ Fyra gewährt.