Integrierter Asylbewerber soll zurück nach Afghanistan

Der 21-jährige afghanische Asyl-Bewerber, Navid Sharifi, wird im Prinzip am morgigen Freitag ausgewiesen. Das Generalkommissariat für Flüchtlinge und Staatenlose will seinen erneuten Asylantrag nicht bearbeiten. Die Abschiebung hat in Belgien breite Diskussionen hervorgerufen und zu lautem Protest geführt.

Sharifi aus Waregem sei wie er selbst sagt schon als Kind aus seiner Heimat Afghanistan weggegangen. Er kenne Afghanistan gar nicht, sagt er in einem Interview mit dem Privatsender VTM. 

2008 kam er nach Belgien. Seinem Arbeitgeber und seinen Kollegen zufolge sei er perfekt hier in Belgien integriert. Er spricht fließend niederländisch, arbeitet als Installateur und wohnt mit seiner Freundin und ihrem Kind zusammen.

Normalerweise hätte er am Dienstag schon im Flugzeug nach Afghanistan sitzen müssen, aber aufgrund eines erneut eingereichten Antrags auf Asyl, konnte sein Anwalt die Ausweisung knapp verhindern. Jetzt hat das Ausländeramt entschieden, nicht mehr auf den neuen Antrag einzugehen. Navid Sharifi muss deshalb normalerweise am Freitag das Flugzeug nach Afghanistan nehmen.

Der Anwalt versucht eine Lösung zu finden. Navid Sharifi ist enttäuscht. "Die spielen mit meinem Leben", sagt er. In Afghanistan sei er in Gefahr.

Gegen seine Ausweisung gab es in Belgien regen Protest, weil er so gut integriert ist. 

Unterdessen protestieren afghanische Asylbewerber schon seit einer Woche hierzulande, weil sie eine Aufenthaltsgenehmigung fordern. Am gestrigen Mittwoch liefen sie auch wieder in Brüssel auf die Straße. Dieses Mal uferte die Demo jedoch aus, als sie versuchten zum Parlament durchzukommen. Rund 60 Menschen wurden festgenommen. Ein Demonstrant sitzt noch immer wegen Gewalt gegen einen Polizisten in der Zelle.

Auch am heutigen Donnerstag sind wieder Afghanen auf die Straße gegangen. Rund 350 Personen demonstrieren vor dem Kabinett von Staatssekretärin für Migration, Maggie de Block. Sie sind ausgewiesen worden, wollen aber nicht zurück nach Afghanistan, weil es ihnen zufolge dort für sie zu gefährlich sei.