Auch belgische Bahn wird EuGh-Urteil mehr Geld kosten

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs müssen Bahngesellschaften künftig ihre Fahrgäste bei Verspätungen und Ausfällen, auch wenn diese auf höhere Gewalt zurückzuführen sind, entschädigen. Also egal, ob Streik oder Erdbeben, die Bahn muss zahlen. Das Urteil kann die Bahngesellschaften teuer zu stehen kommen, weil sie in viel mehr Fällen eine Entschädigung bezahlen werden müssen.

Der Ombudsmann der belgischen Bahn NMBS, Guido Herman, nennt mehrere Beispiele.

"Wenn bislang jemand sagte, ich war wegen Unwetters oder einem schweren Unfall eineinhalb Stunden zu spät an meinem Zielort, konnte die Gesellschaft sagen: 'Das ist höhere Gewalt. Wir brauchen keine Entschädigung zu bezahlen'. Der Interpretation der Verordnung und des Urteils zufolge können die Fahrgäste künftig jedoch auch in so einem Fall eine Kostenrückerstattung verlangen. Das wird die Operatoren eindeutig mehr Geld kosten."

Der Ombudsmann bittet die Fahrgäste und die Bahngesellschaften über eine vernünftige Entschädigungsregelung nachzudenken. Die NMBS selbst untersucht noch die Folgen des europäischen Urteils.

In Deutschland warnen Verbraucherschützer bereits vor höheren Fahrkartenpreisen

Verbraucherschützer in Deutschland befürchten bereits steigende Bahnpreise. "Es ist wahrscheinlich, dass Bahnfahrer die Ausweitung der Entschädigungsrechte am Ende über höhere Ticketpreise zahlen müssen", sagt Otmar Lell, Verkehrsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in der Online-Ausgabe der Rheinischen Post. Bei Ereignissen wie einer Flut könnten erhebliche Mehrkosten auf die Unternehmen zukommen, heißt es weiter.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn soll am Donnerstag hingegen versprochen haben, dass das keine Auswirkung auf die Fahrpreise bei der deutschen Bahn haben werde.