China hackte offenbar Kabinett von Di Rupo

Alle Spuren des Hackings in das Computersystem des Kabinetts von Premier Di Rupo und des Außenministeriums führten nach China, heißt es in einem Bericht der belgischen Sicherheitsdienste an den Premier Elio Di Rupo. Zwei Quellen in der Regierung haben das gegenüber der Zeitung De Morgen offenbar bestätigt. Es sei noch nicht klar, in welchem Ausmaß vertrauliche Daten gehackt worden seien, aber die Möglichkeit, dass das erfolgte, sei doch recht groß, heißt es weiter.

Es sei verwunderlich, dass ausgerechnet China hinter den Cyberattacken, die vor einigen Monaten auf das Kabinett Di Rupo und das Außenminsiterium verübt wurden, stecke, weil die heutige chinesische und belgische Regierung exzellente Beziehungen zueinander hätten. Noch vor zehn Tagen statteten der Premier zusammen mit dem Vizepremier Alexander De Croo China offiziell einen Besuch ab.

China ist ein wichtiger geopolitischer Spieler geworden. Im jüngsten Bericht der Staatssicherheit heißt, dass die Behörde die chinesischen Aktivitäten sehr genau beobachte. Außer wirtschaftlich interessanten Entwicklungen würden die Chinesen auch "die Entwicklungen innerhalb der internationalen Einrichtungen auskundschaften, besonders den militärichen Aspekt betreffend."

Das Kabinett von Elio Di Rupo hat im Gegensatz zum Außenministerium keine Anzeige erstattet. Man habe das Problem gelöst. Die Sicherheitsmaßnahmen seien verschärft worden, hieß es dort Ende letzter Woche noch.

Die Zeitung De Morgen hat einen Chinaexperten in dieser Sache befragt. "Belgien ist einer der am wenigsten gesichterten Plätze auf dem Gebiet von Cybersicherheit. Die leckt wie ein Korb. Der Mangel an politischem Interesse hierfür ist groß." Die Mittel seien für ein Land, das die Nato und die europäischen Einrichtungen beherberge, viel zu gering. Für ein nicht westliches Land stelle Brüssel eines der leichtesten Ziele dar, um an Informationen zu gelangen, so der Experte in De Morgen.

Er ist übrigens überzeugt, dass die Cyberattacke auf das Kabinett des Premiers und auf das belgische Außenministerium nicht allein von China ausgegangen sei. China sei unter den Piraten, aber es sei sicher nicht das einzige Land gewesen. Es seien Zwischenfälle aus verschiedenen Ländern entdeckt worden.

Die Staatssicherheit habe laut De Morgen auch Fortschritte bei den Ermittlungen des Hackings auf das Telekomunternehmen Belgacom gemacht. Es soll effektiv um Attacken aus dem Vereinigten Königreich gegangen sein.

Unterdessen hat Premier Di Rupo vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York für einen internationalen Vertrag plädiert, um Daten im Internet besser schützen zu können.