Navid Sharifi floh vor einer Familienfehde im Iran

Seit Tagen wird die bevorstehende Ausweisung eines perfekt in Belgien integrierten jungen Mannes in sein Heimatland Afghanistan in Politik und Medien heiß diskutiert. Jetzt wurde deutlich, dass Navid Sharifi in jungen Jahren im Iran, wohin er mit seinen Eltern gezogen war, im Rahmen einer Familienfehde Straftaten begangen haben soll.

Navid Sharifi (Foto) sitzt noch immer in einem geschlossenen Zentrum für abgewiesene Asylsicher in Brügge in einer Zelle und wartet auf seine Abschiebung in sein Heimatland Afghanistan. Sein Fall wird seit Tagen heiß diskutiert und hat inzwischen auch die politische Ebene erreicht.

Sharifi ist heute 21 Jahre alt und lebt seit fünf Jahren in Flandern. Er spricht perfekt Niederländisch, ist ausgebildeter Installateur und hat eine Arbeitsstelle - zahlt also auch in Belgien seine Steuern. Zudem hat er seit Jahren ein flämisches Mädchen zur Freundin. Seine Abschiebung nach mehreren missglückten Asylanträgen sorgte für Unverständnis. Die Frage lautete: Warum wird ein so gut integrierter Einwanderer des Landes verwiesen?

Doch nun tauchten Medienberichte auf, nach denen der junge Afghane, der sein Heimatland im Alter von fünf Jahren in Richtung Iran verlassen hat, dort in eine Familienfehde verwickelt sein soll. 2008 soll er aus dem Iran geflüchtet sein, weil er die Rache der Familie der Frau seines Bruders und ein Verfahren vor einem iranischen Gericht fürchtet.

Bei einem handgreiflichen Streit zwischen Mitgliedern beider Clans, in den Navid verwickelt gewesen sein soll, soll ein Mann durch einen Glastisch gestürzt sein, wobei er schwer verletzt wurde und offenbar bis heute bleibende Schäden davontrug. Anlass soll eine ausufernde Fehde nach einer Beleidigung der Mutter Navid Sharifis gewesen sein. Ob diese Beleidigung bereits in Afghanistan vorgekommen ist, oder schon in Iran, wurde nicht deutlich.

Sicher ist nur, dass die belgischen Einwanderungsbehörden bei der Ablehnung von Sharifs Asylanträgen nicht mit der Familienfehde Rechnung getragen haben, denn diese sei für die Anträge unerheblich gewesen. Dies meldeten einige flämische Medien am Montagmorgen, nach dem sie Einblick in die Akte Navid Sharifi erhielten. Diese Meldungen wurden gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion im Laufe des Vormittags bestätigt. Überdies ist eine Familienfehde nach Ansicht der Genfer Flüchtlingskonvention kein Kriterium für Einbürgerung.

Zweite Möglichkeit?

Navid Sharifis Anwalt, Pieter-Jan Staelens, will jetzt die Regularisierung seines Mandanten erwirken, da sein Asylantrag definitiv verworfen wurde. Als Grund gibt er die Tatsache an, dass Sharifi bestens integriert ist.

Die belgische Justiz unterscheidet zwischen der Einbürgerung von illegal im Land befindlichen Einwanderern - der so genannten Regularisung und Asylsuchern. Navid Sharifi stellte sowohl einen Antrag auf Asyl, als auch auf Regularisierung bei den belgischen Behörden.