Entschädigung nach der Dioxinkrise von 1999

Die Fettschmelzerei Verkest muss einigen der Geschädigten nach der Dioxinkrise Ende der 1990er Jahren Schadensersatz in Millionenhöhe zahlen. Verkest kann gegen das am Mittwoch in Gent gefallene Urteil allerdings noch Berufung einlegen.
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Die Gebrüder Jan und Lucien Verkest von der gleichnamigen Fettschmelzerei aus Deinze gelten als Dreh- und Angelpunkt der Dioxinkrise, die Ende der 1990er Jahren europaweit für Furore sorgte.

Jetzt verurteilte ein Gericht in Gent das Unternehmen zur Zahlung von Entschädigungen in Millionenhöhe für Unternehmen, die im Zuge dieser Krise schwer getroffen wurden, unter anderem, weil sie von der Verkest N.V. mit dioxinverseuchten Produkten beliefert wurden.

Die NV De Brabander Voeders aus Roeselare erhält 1 Mio. € Schadensersatz von Verkest und eine Gruppe von etwa 40 Metzgern, deren Fleisch durch verseuchtes Viehfutter ebenfalls verunreinigt war, erhält Entschädigungen von 50 bis 4.000 €.

Die NV De Brabandere aus Wingene, ein Partnerunternehmen des entschädigten Unternehmens aus Roeselare, geht leer aus, weil hier der entstandene Schaden nicht eindeutig bewiesen werden konnte.

Rückblick: Die Dioxinkrise

Anfang 1999 brach in Belgien ein großer Lebensmittelskandal aus. In der Fettschmelzerei Verkest war unter anderem Öl aus Transformatoren in Fette gelangt, die zur Herstellung von Viehfutter genutzt wurden. Dadurch fand das verseuchte Fett seinen Weg in die Lebensmittelkette. Danach mussten riesige Mengen an Milchprodukten und Hühnerfleisch aus dem Handel genommen und vernichtet werden. Zwar wurde danach deutlich, dass das Dioxin in den Lebensmitteln zu keiner Zeit eine Gefahr für die Verbraucher dargestellt hatte, doch das Image der belgischen Nahrungsmittelindustrie erlitt einen schweren Schaden.

Die Dioxinkrise führte unter anderem zur Gründung der Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit (FAVV) in Belgien und hatte auch auf die Politik einen unerwarteten Einfluss. Die Krise brach mitten im Parlaments-Wahlkampf des Jahres 1999 aus und führte zur Abwahl der flämischen Christdemokraten CVP des damaligen Premierministers Jean-Luc Dehaene aus der Regierung. Die CVP musste seinerzeit zum ersten Mal seit den 1950er Jahren auf die Oppositionsbank rücken. Die Wähler warfen den damals verantwortlichen Politikern Untätigkeit und Unfähigkeit vor. Nach den Wahlen bildete eine Mehrheit aus Liberalen, Sozialisten und Grüne die so genannte Regenbogen-Koalition, die auch als Regierung Verhofstadt I. in die Geschichte einging.