Arbeitsrecht: Hausarrest für Kranke?

Arbeitgebern in Belgien soll das Recht eingeräumt werden, krankgeschriebene Arbeiter oder Angestellte dazu zu verpflichten, mindestens vier Stunden pro Krankheitstag zuhause zu bleiben. Dies soll den Kontrollärzten ermöglichen, ihre Patienten leichter untersuchen zu können.

Nach einer Meldung der flämischen Wirtschaftszeitung De Tijd beinhaltet der Gesetzesvorschlag zum Einheitsstatut von Arbeitern und Angestellten die Möglichkeit, Arbeitnehmer dazu zu verpflichten, vier Stunden pro Krankheitstag zuhause zu bleiben, damit sie für einen Besuch des Kontroll- oder Betriebsarztes erreichbar sind.

Diese Regelung soll eine Kompensierung für die Arbeitgeber bieten, denn die Regelung zum Einheitsstatut von Arbeitnehmern sieht auch vor, den so genannten „Karenztag“, den ersten und nicht bezahlen Krankheitstag also, abzuschaffen. Bisher wurde dieser Tag Arbeitern nicht bezahlt. Nach der neuen Regelung wird ihnen aber jetzt auch Lohn am ersten Krankheitstag ausbezahlt.

Allerdings können sie diese garantierte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verlieren, wenn der Kontroll- oder Betriebsarzt seine Untersuchung nicht durchführen konnte, weil der Betreffende zuhause nicht erreichbar war. Die neue Vorgehensweise erntet Kritik und auch die liberale Gewerkschaft ACLVB in Belgien ist mit der Regelung nicht einverstanden, wie deren Vorsitzender Jan Vercamst gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte:

„Das bedeutet eigentlich, dass erkrankte Arbeitnehmer eine Fußfessel erhält, die ihn zu vier Stunden Hausarrest täglich verpflichtet. Hier nimmt man es mit dem Privatleben nicht besonders genau. Wir können dem also nicht zustimmen. Den Arbeitern wird also unterstellt, öfter Montags krank zu sein, als Angestellte. Diese Diskriminierung wollen wir aus dem Gesetzesvorschlag gestrichen sehen. Doch der Art und Weise, wie man die Kontrollen durchführen will, können wir nicht zustimmen.“