Belgier gewinnt Nobelpreis für Physik

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den Belgier François Englert und den Briten Peter Higgs. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm bekannt. Sie werden für ihre Theorie über Higgs-Boson ausgezeichnet, die erklärt, wie Elementarteilchen ihre Masse erhalten.

Es ist das erste Mal, dass ein Belgier einen Nobelpreis in Physik erhält. Der Brüsseler François Englert ist der elfte Belgier überhaupt, der einen Nobelpreis bekommen hat.

 

Am 31. August 1964 veröffentlichten François Englert und sein Kollege und Mentor Robert Brout (rechts auf dem kleinen Foto) ihre Theorie. Sie sollte die abschließende Arbeit für das Standardmodell werden, das die gesamte Physik erklärt. Einige Wochen später machte das Forscherteam des Briten Peter Higgs das gleiche.

Beide erklärten das Modell mit dem Bestand eines speziellen Teilchens, das den anderen Teilchen Masse verleihen würde. Damals war das noch nicht bewiesen. Dieses Elementarteilchen aus dem Standardmodell der Elementarteilchenphysik wurde später Higgs-Boson oder Higgs-Teilchen - nach dem gleichnamigen britischen Physiker - genannt. Es ist elektrisch neutral, hat Spin 0 und zerfällt nach sehr kurzer Zeit.

Für diese Theorie gab es bis vor kurzem noch keinerlei Beweise. Die Theorie ist inzwischen jedoch allgemein akzeptiert. Würde dieses Teilchen nicht bestehen, müsste die gesamte Theorie über die Physik neu bedacht werden.

Ihre Theorie war vergangenes Jahr durch das europäische Forschungszentrum CERN mit hoher Wahrscheinlichkeit belegt worden. Dazu diente ein großer Teilchenbeschleuniger, der in der Nähe von Genf gebaut wurde. Gleichzeitig erfolgte der Nachweis auch im Fermilab in Chicago. Dies hat wohl dazu geführt, dass Englert und Higgs nun den Nobelpreis bekamen. Für den Belgier Robert Brout, den Kollegen von Englert, kommt der Preis zu spät; er ist inzwischen gestorben.

"Nicht unerfreulich", so Baron Englert

François Englert (Etterbeek, °1932) ist Elektronik-Ingenieur und Doktor der Physik an der französischsprachigen Freien Universität ULB in Brüssel. Er arbeitet zunächst an der Cornell Universität in den Vereinigten Staaten als Assistent des Professors Robert Brout, also des anderen Belgiers, der den Nobelpreis bekam. Zusammen tragen sie 1964 ihre Theorie über das "Gottesteilchen" vor.

Englert hat schon zahlreiche wichtige Preise wie den wichtigsten belgischen Wissenschaftspreis, den Francqui-Preis (1982), den Wolf-Preis (2004) und den bekannten spanischen Prinz-von-Asturien-Preis (2013) gewonnen. Er hat auch den Titel Baron bekommen.

Professor Englert ist sehr erfreut über den Nobelpreis und in einer ersten Reaktion beschrieb er seine Gefühle als: "not very unpleasant".