Zedelgem Prozess: Geld gefunden und eingesteckt

Ein Ehepaar aus Koekelaere in Westflandern muss vor Gericht erscheinen, weil es Geld gefunden hat und dieses in die eigene Tasche steckte. Das Geld stammte aus einem Überfall und war von den Gangstern aus einem Auto geworfen worden. Das Paar raffte „nur“ etwa 100 € zusammen, doch die Justiz macht daraus einen Präzedenzfall.

Im April dieses Jahres warfen Gangster bei einer Verfolgungsjagt nach einem Überfall in Zedelgem in Westflandern einen Safe aus ihren fahrenden Auto und massenhaft Geld flog dabei über die Straße. Diesen Geldsegen nutzten viele Passanten und Anwohner, die sich ein gerüttelt Maß an „Scheinchen“ in die eigenen Tasche steckten - darunter auch das vor Gericht zitierte Pärchen aus Koekelare.

Die Polizei konnte noch am Tag des Vorfalls selber rund 450.000 € einsammeln und einige reumütige Geldraffer übergaben den Behörden kurz danach selbst rund 62.000 € Beutegeld. Doch rund eine weitere halbe Million Euro aus diesem Safe sind und bleiben verschwunden, trotz eines Aufrufs der Polizei, dieses Geld zurückzugeben. In einer ersten Phase durfte dies sogar anonym geschehen, wonach der Briefkasten des Rathauses von Zedelgem (Foto oben) zeitweise voller Geld war und… sogar mehrmals aus diesem Grunde aufgebrochen wurde.

Einige der Geldraffer aber wurden von Zeugen erkannt und der Polizei gemeldet, so auch unser Ehepaar aus Koekelare. Die beiden hatten nach eigenen Angaben nur einige Scheine aufgesammelt - etwa 100 €. Doch dies kann ihnen jetzt teuer zu stehen kommen. Angesichts der hohen Geldsumme, die weiter verschwunden bleibt, hat das zuständige Gericht in Brügge Klage gegen das Paar erhoben. Dort hieß es zwar, dass 100 € nicht viel Geld sei, doch es gehe dabei ums Prinzip. Im schlimmsten Fall droht den beiden unehrlichen Findern eine zweijährige Haftstrafe. Aber so weit wird es wohl nicht kommen.