"Er trat in Schumans und Adenauers Fußstapfen"

José Manuel Barroso (Foto mit Martens), der Vorsitzende der Europäischen Kommission, sagte nach dem Ableben von Wilfried Martens, dass dessen Leistungen in die Fußstapfen der Gründer der EU, Robert Schuman, Konrad Adenauer oder Alcide de Gasperi passten. Aus der politischen Welt in Belgien und Europa kamen viele Beileidsbezeugungen.

„Europa hat einen Mann von großer Überzeugung und starken Werten verloren. Er wird in unserer Erinnerung als jemand weiterleben, der die Menschen zusammenbringen konnte, um einen Konsens zu finden, sowohl zuhause, als auch in Europa.“, sagte EU-Kommissionsvorsitzender José Manuel Barroso in einer Mitteilung zum Tode von Wilfried Martens. Martens sei den Streben nach einem starken und tiefen Europa stets treu geblieben.

Sein Parteifreud und Nachfolger im Amt des belgischen Premierministers, Jean-Luc Dehaene (CD&V), ebenfalls ein überzeugter Europäer, nannte Martens in den Mittagsnachrichten im VRT-Fernsehen einen „überzeugten Föderalisten, sowohl in Belgien, als auch in Europa“.

Martin Schulz (kleines Foto), der Präsident des Europaparlaments und bundesdeutscher Sozialdemokrat (SPD), ehrte Martens als einen großen Staatsmann in Belgien und in Europa und würdigte dessen „kolossale Rolle in der europäischen Integration“. Schulz würdigte den Europapolitiker Wilfried Martens im EP am Donnerstag mit einem emotionalen Nachruf, der auf der Webseite des Europaparlaments als O-Ton zu hören ist.

Der französische Konservative Joseph Daul (UMP), der Martens vor einigen Tagen als Interimsvorsitzenden bei der EVP ersetzte, glaubt, dass die Europäische Volkspartei ohne ihren langjährigen Vorsitzenden nicht mehr gleiche Partei sein werden, die sie bis jetzt war.

Premierminister Elio Di Rupo (PS) reagierte mit Trauer und Bestürzung auf den Tod von Wilfried Marten: “Belgien verliert heute einen herausragenden Politiker und einen großen Staatsmann. Er sorgte für Farbe und bestimmte die die belgische Politik in ihrer jüngeren Geschichte wesentlich. Wilfried Martens soll uns als einer der Väter des föderalen Belgiens in Erinnerung bleiben.”

Guy Verhofstadt, belgischer Ex-Premier und heutiger Fraktionsführer der Liberalen im Europaparlament, war zeitweise als Oppositioneller im belgischen Bundesparlament deutlich uneins mit Martens, diente aber auch unter ihm in Koalitionen. Er nannte Martens einen loyalen Politiker, der stets auf der Suche nach Kompromissen war und der sich stets auch Europa verbunden gefühlt habe.

Othmar Karas, Vizepräsident des Europäischen Parlaments und Fraktionsführer der ÖVP-Delegation im EP, zeigte sich nach der Meldung zum Tode Martens‘ betroffen. Der österreichische Konservative sagte über Wilfried Martens, das dieser ein „visionärer, ausgleichender, europäisch handelnder Christdemokrat“ gewesen sei: „Er hat die EVP zur größten politischen Partei Europas gemacht, verschiedene Flügel Belgiens, der Partei und Europas zusammengeführt und nachhaltig notwendige Reformen durchgesetzt. Er wird Europa und der EVP fehlen. Wir brauchen mehr Politiker, die wie Martens Vision, Pragmatismus und Persönlichkeit erfolgreich vereinen."

"Ein politisches Denkmal"

Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V) nannte Wilfried Martens eine der wichtigsten Führungsfiguren, die unser Land jemals gehabt habe. Schon als Jugendlicher habe ihn eine enorme Leidenschaft angetrieben. In einer Phase, die von einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise und weltweiter Unsicherheit geprägt war, habe er in Belgien für Stabilität sorgen können, so der Landeschef.

Die flämische EU-Abgeordnete und CD&V-Politikerin Marianne Thyssen (kleines Foto) hatte als junge Parteigängerin schon mit Martens eng zusammengearbeitet und zwar als er noch EVP-Fraktionsführer im EP war: „Er war für die EVP bedeutungsvoll und wurde Vorsitzender zu einer Zeit, als die Parteien in der Union noch nicht viel bedeuteten. Er hat unserer Partei ihre Form und Struktur gegeben und schaffte es, Menschen grenzüberschreitend dazu zu verpflichten, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen.“

Bundesinnenministerin Joëlle Milquet (CDH) nannte Martens ein echtes politisches Denkmal. Großes Pflichtgefühl, Engagement und feste Überzeugungen hätten ihn geprägt, so die frankophone Zentrumspolitikerin.

Louis Michel von der liberalen frankophonen Reformbewegung MR sieht Wilfried Martens als einen der ganz großen der politischen Geschichte unseres Landes: „Er hat den Föderalismus auf den Weg gebracht und war ein starkes Gewicht in unserem Land. Ich habe gute Erinnerungen an ihn noch aus der Zeit, als ich mit ihm als junger Parteivorsitzender über das sozial-wirtschaftliche Aufschwungsprogramm verhandeln musste. Er hat niemals versucht, mich mit all seiner Erfahrung und mit all seinem Wissen über den Tisch zu ziehen. Er war immer korrekt. Wir haben ein politisches Monument verloren.“