Verbände gegen Armut fordern Anhebung der Sozialhilfe

Das Netzwerk gegen Armut, in dem die flämischen Organisationen im Kampf gegen Armut vertreten sind, hat am Sonntag eine Protestaktion auf dem Sankt-Katharinen-Platz in Brüssel veranstaltet. Der Verband verlangt, dass kein Abkommen der belgischen Regierung geschlossen werden sollte, ohne dass man sich vorab darauf geeinigt habe, die Sozialhilfen, die unterhalb der Armutsgenze liegen, mindestens auf diese anzuheben.

Die flämischen Verbände gegen Armut fordern zum Beispiel höhere Sozialhilfen für Familien mit Kindern. Deren Hilfe liegt derzeit noch bei 1.000 Euro pro Monat und damit unter der Armutsgrenze. 

Die Aktionen am heutigen Sonntag finden vor dem Hintergrund des weltweiten Tages gegen Armut am 17. Oktober statt.

Armut hat viele Gesichter und unter arm sein versteht man nicht nur den Landstreicher auf der Straße, der am Rande der Gesellschaft steht. Den üblichen europäischen Definitionen zufolge sind viele normale Bürger arm.

Arm sein bedeutet, weniger zu haben als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens im Land. In Belgien ist 15 Prozent der Einwohner arm. Und diese Zahl ist sogar schon etwas überholt.

"Immer mehr Menschen wenden sich an die Schuldenhilfe, an die Nahrungsmittelbanken und sie können nichts mehr zur Seite legen. Die Situation hat sich verschlechtert und die offiziellen Statistiken werden in den nächsten Jahren so nicht mehr stimmen", erklärt Frederic Vanhauwaert vom flämischen Netzwerk gegen Armut.

Für eine allein lebende Person liegt die Armutsgrenze, also das als notwendig erachtete Einkommen, bei 1.000 Euro pro Monat. Die Sozialhilfe des Sozialamtes beträgt jedoch nur 817 Euro. Für eine Familie mit 2 Kindern wären 2.100 Euro nötig, um oberhalb der Armutsgrenze zu liegen. Vom Sozialamt gibt es jedoch gut 1.000 Euro weniger.

Das geht nicht, finden die Verbände gegen Armut. Mit ihren Aktionen fordern sie eineinviertel Milliarden Euro zusätzlich, um die Sozialhilfen anzuheben. 

"Wir haben heute eine Aktion ins Leben gerufen, die bis zu den Wahlen andauert. Mit der Aktion fordern wir, dass keine neue föderale Regierung kommt, ohne vorher alle Einkünfte und Hilfen mindestens auf das Niveau der Armutsgrenze angehoben zu haben", betont Vanhauwaert noch.

Für so manche Familie wären das 1.000 Euro mehr. Studien würden zeigen, so Vanhauwaert, dass Menschen mit höheren Sozialhilfen auch schneller wieder anfangen würden, zu arbeiten. "Es ist falsch zu glauben, dass Menschen schneller wieder arbeiten gehen, wenn man ihnen weniger Sozialhilfe zahlt. Das umgekehrte ist der Fall."